Autoren-Interview mit... Andreas Gruber

 

Heute darf ich auf meinem Blog Andreas Gruber vorstellen. Der österreichische Thriller- und Horror-Autor veröffentlicht momentan mit TODESREIGEN den vierten Band um Ermittler Maarten S. Sneijder.
Ich habe ihn über seinen neuen Thriller, den doch recht speziellen Protagonisten und Andreas, den Cineasten, ausgefragt. ;-)

 

Andreas Gruber, 1968 in Wien geboren, lebt als freier Autor mit seiner Familie und fünf Katzen in Grillenberg in Niederösterreich. Seine Bücher wurden u.a. für den Friedrich-Glauser-Krimi Preis nominiert, mit der Herzogenrather-Handschelle, dem Skoutz-Award, dem Leo-Perutz-Krimi-Preis, dreimal mit dem Vincent Preis und dreimal mit dem Deutschen Phantastik Preis ausgezeichnet.

www.agruber.com

Nachdem eine Reihe von Kollegen auf brutale Art Selbstmord begangen haben, wird Sabine Nemez – Kommissarin und Ausbilderin beim BKA – misstrauisch. Vieles weist auf eine jahrzehntealte Verschwörung und deren von Rache getriebenes Opfer hin. Sabine bittet ihren ehemaligen Kollegen, den vom Dienst suspendierten Profiler Maarten S. Sneijder, um Hilfe. Doch der verweigert die Zusammenarbeit, mit der dringenden Warnung, die Finger von dem Fall zu lassen. Dann verschwindet Sabine spurlos, und Sneijder greift selbst ein. Womit er nicht nur einem hasserfüllten Mörder in die Quere kommt, sondern auch seinen einstigen Freunden und Kollegen, die alles tun würden, um die Sünden ihrer Vergangenheit endgültig auzulöschen ...

 

 

Andreas, stelle dich doch mal für die wenigen Leser vor, die dich noch nicht kennen ;-)

 

Fangen wir mit dem Wichtigsten an: Mein Traumberuf ist Autor! Ich wollte immer schon Schriftsteller werden, habe allerdings an der Handelsakademie maturiert, danach an der Wirtschaftsuniversität Wien studiert und danach zwanzig Jahre lang im Controlling gearbeitet, ehe ich vor drei Jahren den Job gekündigt habe und seither freier Autor bin.

Mit dem Schreiben begonnen habe ich allerdings schon 1996 und bisher 17 Bücher veröffentlicht: sechs Kurzgeschichtensammlungen, zwei Horror-Romane und neun Thriller.

Bin zwar in Wien aufgewachsen, lebe aber schon weit mehr als die Hälfte meines Lebens in Niederösterreich, in einem kleinen Dort südlich von Wien, umgeben von Bergen und Wald. Verheiratet, zwei Kinder, fünf Katzen.

Ich esse alles, außer Karotten. Ich höre jede Musikrichtung, wenn sie hart genug ist. Ich schaue alle Filmgenres, außer Liebesfilme. Aber wenn ein Film gut ist, drücke ich am Ende trotzdem eine Träne weg.

 

 

Autor sein - was bedeutet das für dich?

 

Mir meinen Jugendtraum erfüllt zu haben, und das zu tun, was ich am liebsten mache: Geschichten erfinden und sie erzählen. Am liebsten entwickle ich spannende Storys mit schrägen Charakteren, flotten Dialogen und Situationen, die den Lesern den letzten Nerv rauben. Aber Autor sein bedeutet für mich auch, die Freiheit zu haben, das zu schreiben, was ich am liebsten selbst gern lesen würde. Und so erscheinen meine Horror- und Science-Fiction Geschichten im Luzifer-Verlag und meine Thriller im Goldmann-Verlag.

Und dann bedeutet es natürlich auch, auf Lesereisen zu gehen, fremde Städte, Krimi-Festivals, Bibliotheken und Buchhandlungen zu besuchen und dabei in Kontakt mit den Lesern zu treten.

 

 

Nach dem dritten Band von Sneijder wurde ich von der Ankündigung zum neuen Thriller überrascht. War das so geplant?

 

Von Anfang an. Und das steht auch so im Nachwort von „Todesmärchen – Sneijders 3. Fall“. Ich zitiere: „Damit ist die erste Trilogie um Maarten Sneijder … verzeihen Sie bitte, Maarten S. Sneijder beendet. Aber seine Geschichte wird weitergehen, und weitere Bände werden folgen.“

„Todesreigen“ ist also der Auftakt zur zweiten Trilogie.

 

 

Ganz neu erscheint also nun TODESREIGEN, der vierte Band von Maarten S. Sneijder. Wie bist du auf die Idee zu deinem neuesten Thriller gekommen?

 

Am Ende jedes Sneijder-Romans ist im letzten Absatz ein Hinweis enthalten, wie es im nächsten Band weitergehen wird. Es ist so eine Art Running Cliffhanger  Nachdem Sneijder also am Ende von „Todesmärchen“ etwas Schreckliches tut, das ich jetzt nicht spoilern kann, ist er zu Beginn von „Todesreigen“, das ein Dreivierteljahr später spielt, vom Dienst suspendiert. Diese Vorgabe gab es also bereits.

Seine ehemalige Kollegin Sabine Nemez muss allein ermitteln, und zwar in einer Reiher merkwürdiger Selbstmorde unter Kripo-Kollegen. Sie bittet Sneijder um Hilfe, der lehnt jedoch ab, mit der dringenden Bitte, dass sein „Eichkätzchen“, wie er sie nennt, die Finger von dem Fall lassen soll.

Natürlich arbeiten sie in der zweiten Hälfte des Romans wieder zusammen, in gewohnter Manier auf eigene Faust gegen alle möglichen Widrigkeiten und Widersacher. Aber diesmal ist der Roman bewusst eine Spur anders als die Vorgänger und ich habe versucht, statt dem üblichen Serienkiller-Motiv, diesmal eine neue überraschende Thematik für die Leser einzubauen. Ich hoffe, die Leser gehen diesen Weg gemeinsam mit Sneijder und mir gemeinsam mit.

 

 

Beschreibe doch mal TODESREIGEN mit drei Wörtern!

 

Schwarz gelbes Cover.

 

 

Maarten S. Sneijder ist ein ungewöhnlicher Protagonist: Er hat Cluster-Kopfschmerzen, trinkt Vanilletee, raucht Marihuana und klaut Bücher. Wie skizziert man so jemanden? ;-)

 

Ich habe ja drei Krimi-Reihen, an denen ich abwechselnd schreibe: Die Privatdetektiv Peter Hogart Serie („Die Schwarze Dame“ und „Die Engelsmühle“) und die Rache-Reihe mit Ermittler Walter Pulaski und der jungen Wiener Anwältin Evelyn Meyers („Rachesommer“ und „Racheherbst“). Und die Todes-Reihe mit Maarten S. Sneijder ist die dritte Reihe.

Und da Sneijder so ein schräger, irrer, abgefuckter, zynischer, misanthropischer, kotzbrockiger, schwuler, klauender, kiffender, genialer Profiler ist, der noch dazu so wortgewandt und schlagfertig ist, brauche ich etwa ein Jahr Vorbereitung zum Ideen-, Dialoge- und Szenen-sammeln, bevor ich ein neues Buch zu schreiben beginne. Schließlich soll es ja auch gut werden, sonst sind die Leser sauer.

Es ist also sehr schwierig und zeitaufwendig, so jemanden wie Sneijder zu skizzieren – das will ich damit sagen.

 

 

Wie wird es mit Sneijder und Nemez weitergehen?

 

Ich habe eine grobe Vorstellung davon, wie es im fünften und sechsten Band weitergehen könnte, wobei ja wieder im letzten Absatz von „Todesreigen“ ein Hinweis enthalten ist, welche Richtung die nächsten Bände nehmen.

Und nach Abschluss dieser zweiten Trilogie habe ich eine sehr, sehr vage Idee, was in der dritten Trilogie passieren könnte. Aber über ungelegte Eier möchte ich nicht weiter sprechen. Da heißt es abwarten und Vanilletee trinken …

 

 

Nun zu dir selbst: Deine beste und schlechteste Eigenschaft?

 

Selbst über seine besten Eigenschaften zu sprechen hat immer etwas sehr Peinliches. Negative Eigenschaften fallen mir sofort dutzende ein. Aber meine schlechteste Eigenschaft, über die sich meine Frau am meisten ärgert, ist die, dass ich immer zu spät komme, egal wohin wir fahren, weil mir noch hundert Dinge einfallen, die ich machen könnte, bevor ich das Haus verlasse.

Mein beste Eigenschaft: Ich interessiere mich für alles, bin immer neugierig und will alles wissen. Naja, so toll ist diese Eigenschaft jetzt auch wieder nicht, aber dadurch führe ich ein abwechslungsreiches und interessantes Leben.

 

 

Ich habe gelesen, dass du auch zu einem guten Kinofilm nicht nein sagst. Was hast du zuletzt angesehen? ;-)

 

Zuletzt im Kino gesehen: „Sie nannten ihn Spencer“, eine humorvolle österreichische Dokumentation über Bud Spencer, den ich sehr mag. Und als großer Guy Ritchie Fan natürlich „King Arthur“, und davor als großer SciFi-Fan „Guardians of the Galaxy 2“.

 

 

... und wann wird die Reihe um Sneijder verfilmt?

 

Da fragst du am besten Filmproduzenten und Filmstudios, ha, ha. Bisher gab es zwar Interesse und einige Nachfragen am Sneijder-Stoff, aber im Moment gibt es da noch nichts Konkretes darüber zu berichten. Ich schätze, das wird sich die nächsten Jahre auch nicht ändern.

 

 

In deiner Freizeit spielst du Schlagzeug – der Gegenpol zu Schriftstellerei?

 

Mein ganzes Leben, wenn ich nicht schreibe, ist der Gegenpol zur Schriftstellerei. Wenn ich nicht schreibe und am PC neue Storys ausbrüte, spiele ich Schlagzeug, höre Heavy Metal, höre Hörspiele am mp3-Player beim Walken, sehe Filme beim Radfahren am Heimtrainer, bin Schwimmen im Sommer am See, im Winter in der Sauna, spiele mit den Nachbarn Poker, mähe den Rasen, füttere Katzen, lese Comics, lese Creative Writing Bücher, halte Schreib-Workshops, esse gern Sushi und Steaks, gehe in Kabaretts und Musicals oder besuche Freunde, wenn sie mich zum Grillen einladen.

 

 

Stelle dir vor, du würdest deine Hauptfigur Maarten Sneijder in der Realität treffen - was würdest du über ihn und er über dich denken?

 

Er würde von mir denken, was für ein Idiot, versucht in meiner Gegenwart lustig zu sein, will mir ein Gespräch aufzwingen, stiehlt meine Zeit und schafft es nicht, in drei knappen und präzisen Sätzen zu sagen, was er will.

Und ich würde mir denken: Aha, schon wieder beim Bücher klauen in einer Buchhandlung erwischt. Na, heute gar keine Cluster-Kopfschmerzen? Und, sich heute schon wieder bei zehn neuen Menschen unbeliebt gemacht? Ach ja, was ich Sie immer schon fragen wollte: Warum sind Sie eigentlich immer so garstig zu Sabine Nemez und so nett zu Ihrem Hund Vincent?

Woraufhin er vermutlich seine Knarre ziehen und mir Handschellen anlegen würde. Und das wäre dann das Ende dieses kleinen Gesprächs.

 

 

Lieber Andreas, vielen Dank für deine Beantwortung meiner Fragen! :-)

 

 

 

 

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