Autoren-Interview mit... Christoph Zachariae.

 

Heute steht mir Christoph Zachariae Frage und Antwort. Er ist der Autor der ÖDLAND-Serie und Betreiber der Webiste Lucid Dreams.

Im Interview spricht er über ultraleichte Liegefahrräder, das Experiment Darkside Park und seine Rückzugsmöglichkeiten als Autor.

Seid gespannt!

 

 

Christoph Zachariae wird 1972 als Sohn eines Flugzeugingenieurs und einer Lehrerin in Bremen geboren. Vom Vater übernimmt er die Begeisterung für Technik und Raumfahrt, von der Mutter die für Kunst und Museen.
Im Alter von 12 Jahren schreibt er die erste Kurzgeschichte. Ab 1993 studiert er Filmwissenschaften und Philosophie an der Ruhr-Universität Bochum und realisiert Fotoausstellungen. Aus eigenen Drehbüchern entstehen Kurzfilme, die auf zahlreichen Festivals laufen. 1996 wechselt er an die Filmakademie Ludwigsburg und schließt ein Regiestudium ab.
Seine Leidenschaft gehört der Fantastik in allen Schattierungen und Genres.
Seit 2002 lebt und arbeitet er in Berlin. Hier entstehen u.a. die Hörbücher für die mehrfach preisgekrönte Thriller-Serie DARKSIDE PARK.
Christoph Zachariae arbeitet am dritten und vierten Band der ÖDLAND-Reihe. Die eBook-Ausgabe 'ÖDLAND Drittes Buch Die Fabrik am Fluss' erscheint Aug. / Sept. 2015. 'ÖDLAND Viertes Buch Viktoriastadt' erscheint in den kommenden Jahren.





Nun aber zum Interview! Ich wünsche viel Spaß! :-)

ACHTUNG: Manche Antworten können Spoiler enthalten!



1. Beschreibe dich doch mal für die Leser, die dich (noch) nicht kennen! ;-)

 

Ich bin der Mann, der lacht. Häufig aus Mangel an Alternativen, oder weil es die einzig richtige Antwort auf die Fragen ist, die nicht beantwortet werden können. Ich bin verhältnismäßig redegewandt und trotzdem eher der beobachtende Typ. Ich wäre gern der Gentleman, der den Frauen die Tür aufhält, schimpfe mich allerdings selbst den Idioten, der sich grundsätzlich hinten anstellt, anstatt sich endlich mal vorzudrängeln. Ich vertraue darauf, dass der stete Tropfen den Stein höhlt und das Gute zu denen kommt, die Warten. Ich bin der große, ruhige Mann, der im Schatten steht und wartet.

 


2. Wie kamst du zum Schreiben?

 

Die Aufforderung eines Religionslehrers im Unterricht eine Geschichte zu schreiben löste Unruhe in mir aus. Doch von dieser Kurzgeschichte, die gerade mal eine halbe Seite lang war, bis zum ersten Roman, war es noch ein langer Weg. Während des Filmstudiums begann ich Drehbücher zu schreiben. Ein gutes Training. Dialoge müssen knapp sein, schnell auf den Punkt kommen, alle relevanten Informationen beinhalten. Kein Wort zu viel, kein Wort zu wenig. Regieanweisungen haben nüchtern zu bleiben. Die Arbeit schulte meine Disziplin und schärfte mein Bewusstsein dafür, dass Texte häufig überarbeitet werden müssen. Mit dem Rüstzeug wurde es mir möglich mich auf Abenteuer wie DARKSIDE PARK einzulassen. Und von dort aus war es dann nur noch ein kleiner Schritt ins ÖDLAND.

 


3. Autor sein - was bedeutet das für dich?

 

Da ich mich leicht ablenken lasse und nur arbeite kann, wenn ich Ruhe habe, bedeutet für mich das Dasein als Autor vorallen Rückzug und Klausur. Ich fühle mich in meiner Wohnung im vierten Stock manchmal wie ein Eremit, der sich in seiner Felsenhöhle versteckt, nicht merkt wie die Zeit vergeht und ab und zu auf die Plattform vor dem Eingang hinauskriecht, um etwas Sonnenlicht zu bekommen.

 

 
4. Wie kamst du auf die Idee zu "ÖDLAND"?

 

ÖDLAND ist eine Kombination verschiedener Idee. Man muss sie sammeln, Brauchbare behalten, Unpassende verwerfen. Eine grundlegende Idee zu ÖDLAND war die der Pilotin, die im Liegefahrrad postapokalyptisches Terretorium durchquert. In den ersten Versionen rückten ihr noch Maschinen zu Leibe. Das Fundament bildete der Dreißigjährige Krieg und die marodierenden Söldnerhorden. Ich verlegte ihn in eine düstere Zukunft. Ursprünglich sollte Mega von Anfang an mit den Söldnern ziehen, doch mir wurde klar, dass es eine "Annäherungsphase" geben musste. Damit stand die Grundstruktur für ÖDLAND.

 


5. Wie ist Mega entstanden? Warum hast du ihr gerade die Attribute gegeben, die sie besitzet?

 

Der Jähzorn, ihre Gradlinigkeit und ihre Alpträume haben etwas mit ihrer Vergangenheit zu tun, mit der Zeit bevor Mega von der Kellergemeinschaft aufgenommen wurde. Im Zweiten und Dritten Buch gibt es Hinweise woher ihre Eigenschaften und ihre verborgenen Fähigkeiten stammen können. Die andere Seite ihrer Persönlichkeit, ihre Treue, ihr Gerechtigkeitssinn und ihre Solidarität mit Schwächeren hat sie der guten Erziehung der Wissenschaftler und vorallem Sophia zu verdanken. Mega besitzt einen ambivalenten Charakter. Sie ist eine Person, die sich selbst und den Leser immer wieder überraschen kann.

 


6. Im Ödland herrscht viel Chaos, Verwüstung, Schmutz, etc.. Ist es schwer, sich diese Situation vorzustellen und über sie dann zu schreiben?

 

Interessant ist, dass extreme Bedingungen mir beim Schreiben gar nicht so extrem vorkommen. Ich bin manchmal selbst überrascht, wie die Texte wirken, wenn ich sie mit etwas Abstand erneut lese. Ich versuche immer die Sinne anzusprechen, damit der Leser sich die Situation gut vorstellen kann. Ist es kalt? Wie kalt genau ist es? Heult der Wind, oder ist es windstill? Sickert die Feuchtigkeit bereits durch die Kleidung? Man darf nicht übertreiben, doch es hilft dem Autor beim Erschaffen und dem Leser beim Ausmalen der Welt.

 

 
7. Du hast ÖDLAND als Self Publisher herausgebracht. Wieso diese Entscheidung?

 

Ich habe ÖDLAND zu Verlagen geschickt und Absagen bekommen, mich von ihnen aber nicht entmutigen lassen. Die Frage Self-publishing, oder nicht ist hauptsächlich eine Zeitfrage. Kann man es sich leisten neben der immensen Zeit, die man bereits ins Schreiben investieren muss, sich auch noch um Marketing, Lektorate, Feedbacks zu Cover-Layouts, etc. zu kümmern? Kann man die Frage mit Ja beantworten, dann ist Self-publishing eine Alternative zum Dasein des Verlagsautor.

 

 
8. Neben Mega befindet sich noch ein weiterer Charakter im Ödland: Hagen. Wieso hast du ihn erfunden und welche Rolle soll er spielen?

 

Gute Geschichten brauchen starke, antagonistische Kräfte. Hagen ist Megas Gegenspieler und gleichzeitig der Schlüssel zu ihrer Vergangenheit. Er übernimmt damit sowohl die Funktion des Erzfeindes, als auch die des Mentors. Diese Kombination fand ich sehr reizvoll. Unter keinen Umständen würde sich Mega normalerweise einem Kerl wie Hagen nähern, doch er weiß offensichtlich etwas über sie, was sie selbst vergessen hat. Die Frage ist: Kann es Mega im Verlauf der Geschichte gelingen von Hagen etwas über sich selbst und ihre Vergangenheit zu erfahren?

 

 
9. Interessant fand ich das "ultraleichte Liegefahrrad". Wieso gerade dieses Konstrukt und nicht etwas anderes Schnelles, Leichtes?

 

30 Jahre nach dem Zusammenbruch gibt es im ÖDLAND keine Tankstellen und keinen Strom mehr. D.h. Fahrzeuge, die Treibstoff oder Elektrizität benötigen sind als Fortbewegungsmittel von vornherein ausgeschlossen. Solarzellen sind zu schwer, außerdem ist der Keller auf sie angewiesen. Fr. Dr. Kobe kann sie deshalb nicht in die INDUs einbauen. Es wäre theoretisch möglich einen Motor auf Alkohol umzurüsten, doch den müsste Mega regelmäßig destillieren, was ineffizient und gefährlich wäre, weil es zu viel Zeit in Anspruch nehmen würde. Bleiben nur Muskelkraft und ein selbstladender Elektromotor. Auf den leeren Autobahnen des Ödlands ist der INDU die sinnvollste und damit einzige Alternative.

 

 
10. Die ÖDLAND-Reihe ist nicht dein erstes Projekt. Mit "Darkside Park" hast du zusammen mit H. Buchna, J. Beckmann, S. X. Rost und Ivar Leon Menger einen Mystery-Thriller herausgebracht. Was hat es mit diesem Projekt auf sich?

 

DARKSIDE PARK war ein spannendes Projekt. Ein Experiment. Ivar Leon Menger hatte die Idee verschiedene Autoren die Blickwinkel unterschiedlicher Personen einnehmen zu lassen, die alle in derselben Stadt leben und alle über dasselbe, dunkle Geheimnis und dessen Auswirkungen stolpern. Die einzelnen Geschichten überschneiden sich immer wieder. Z.B. findet Figur B in Geschichte 2 rätselhafte Hinterlassenschaften mit denen sie nichts anfangen kann. Doch der Leser weiß, dass Figur A in Geschichte 1 an dieser Stelle etwas fallen gelassen hat. Leser können die Verbindung herstellen und über die Schnittpunkte kommen sie dem Geheimnis immer näher. Für mich war die Beteiligung an diesem Projekt ein voller Erfolg, denn es war mein erster Ausflug in das Hörbuch-Genre und Autorenteam und Sprecher konnten zahlreiche Preise gewinnen. Die Serie gab mir außerdem das Vertrauen mich ins ÖDLAND zu wagen.

 


11. Was dürfen wir von Mega in den nächsten Teilen der Ödland-Serie erwarten? Und schreibst du auch noch an anderen Büchern, oder ist ÖDLAND nun erstmal dein Hauptprojekt?

 

Im Zweiten Buch erfahren wir, ob der Mann, der Mega am Ende des Ersten Buches "retten" konnte, ein Verbündeter, oder eine Bedrohung ist und wie Mega den Weg in die versteckte Moorfestung findet.

 

Im Dritten Buch trifft Mega in der Fabrik am Fluss auf ihren Freund Mark, den die Gezeiten des Schicksals ebenfalls dort angespült haben. Doch können die Beiden die grausamen Erfahrungen, die sie im ÖDLAND machen mussten, hinter sich lassen, um wieder zueinander zu finden?

 

Die ÖDLAND-Reihe ist das einzige Projekt an dem ich zur Zeit arbeite.

 

 
12. Angenommen du selbst würdest im Ödland leben. Wie würdest du dich verhalten? Wärst du genauso mutig wie Mega?

 

Ich denke schon, dass ich mich irgendwie durchschlagen könnte, aber das ist schwer vorherzusagen. Menschen verändern sich in Extremsituationen. Starke verzagen, Schwache werden zu Höchstleisungen animiert. Psychische Stabilität spielt eine Rolle. Kann man Schmerzen ertragen, wenn das Ende der Martyriums nicht absehbar ist? Ich denke, man weiß erst, wie Menschen auf Extremsituationen reagieren, wenn man sie in einer Extremsituation erlebt hat. Und in einer derartigen Lage, wie die, in der sich Mega im ÖDLAND befindet, war ich zum Glück noch nicht.

 


13. Zu dir als Leser: Liebesschnulze oder Thriller - was landet bei dir im Bücherregal und was nicht?

 

Schnulzen sind nicht mein Ding, aber ich mag Liebesgeschichten. Krimis sind mir zu langweilig. Reine Thriller lese ich selten. Meine Lieblingsgenres sind Science-Fiction, Historische Romane und Endzeit, außerdem mag ich Comics und Graphic Novels, wie 'Die Meta-Barone' von Jodorowsky und Gimenz.

 


14. Dein Lieblingsbuch aus Kindertagen?

 

Definitiv 'Der Hobbit' und 'Der Herr der Ringe'.

 

 
15. Abschlussfrage: Ebook oder echtes Buch?

 

Ich lese gern Ebooks. Wenn ich die Wahl zwischen Buch und Ebook habe, kaufe ich das Ebook. Das heißt jedoch nicht, dass ich keine Bücher mehr habe. Ich kaufe sie nach wie vor und stelle sie mir auch immer noch gern ins Regal. Ein Gutschein für ein Ebook ist auch kein schönes Geschenk. Man möchte etwas einpacken, überreichen und beim Auspacken zusehen. Ich sehe den Kulturkampf zwischen Ebook und Buch jedoch nicht. Die Versionen können prima nebeneinander existieren, genau wie Taschenbuch und Hardcover.

 

 

 

Vielen Dank, Christoph, für die Beantwortung meiner Fragen! :-)


Und nun seid ihr dran! Habt ihr noch Fragen, Anmerkungen oder irgendetwas anderes, das ihr gerne loswerden wollt? Ab damit in die Kommentare! :D



Kommentar schreiben

Kommentare: 0