Autoren-Interview mit... Dorit Linke

 

Anlässlich der Blogtour zu "Fett Kohle" von Dorit Linke gibt es heute ein Interview - und zwar mit Dorit Linke selbst. "Fett Kohle" ist ihr zweites Buch, welches im Magellan-Verlag erschienen ist. "Jenseits der blauen Grenze" ist ihr erstes Jugendbuch und wurde für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2015 nominiert. Die Autorin beantwortet heute Fragen bzgl. ihres neuen Kinderbuches, über die Symbolik von Namen und was sie selbst mit "fett Kohle" anstellen würde! ;-)

Freut euch drauf.

 

 










 

Bevor wir aber zum Interview selbst kommen, möchte ich euch Dorit Linke noch kurz vorstellen:


Dorit Linke ist 1971 in Rostock geboren und aufgewachsen.
Sie machte Abitur, war Leistungssportlerin und Rettungsschwimmerin.
Den politischen Wandel Ende der Achtziger erlebte sie bewusst mit und war achtzehn Jahre alt, als die Mauer fiel.
Sie studierte Landschaftsplanung in Berlin, lebte außerdem in Lübeck, Manchester und Glasgow und begann vor einigen Jahren mit dem professionellen Schreiben.

Heute arbeitet und wohnt sie in Berlin.



Hier gelangt ihr zu ihrer Website. Und nun möchte ich euch noch ihre beiden Bücher zeigen, die bis dato erschienen sind!


 

 

Nun aber zum Interview! Viel Spaß euch!! :-)



1. Beschreiben Sie sich doch mal für Ihre Leser, die Sie (noch) nicht kennen!

Die schwierigste Frage also gleich zu Beginn ;-) Ich bin 43 Jahre alt, in Rostock geboren, lebe seit über zwanzig Jahren in Berlin, habe Landschaftsplanung studiert, arbeite in der Immobilienbranche und schreibe Bücher. Hobbys: Wandern, Skaten, Poker spielen und gelegentlich auch mal nichts tun.



2. Wie kamen Sie zum Schreiben? Ist es Ihr Traumberuf?

Schreiben ist hart und nichts für Träumer. Man muss sich die Zeit dafür erkämpfen, da alle anderen Anforderungen des Lebens (Job, Existenz etc.) parallel natürlich weiter bestehen. Und lange Zeit sind sich viele Schreibende unsicher, ob das, was sie da produzieren, überhaupt gut genug ist und jemals veröffentlicht wird. Da braucht es Leidenschaft, Durchhaltevermögen und den unbedingten Glauben an die Sache. Gleichzeitig ist Schreiben ein wunderbarer Prozess, der viel Erfüllung bringt, wenn man einen schwierigen Stoff schließlich bewältigt hat und am Ende etwas Vernünftiges entstanden ist. Ich habe über die Jahre einfach Gefallen an kreativer Arbeit gefunden, habe mit Kurzgeschichten begonnen und mich dann an den Roman „Jenseits der blauen Grenze“ gemacht.



3. Autor sein - was bedeutet das für Sie?

Wie sagt der Volksmund: Die Gedanken sind frei. Ich kann mich beim Schreiben mit den Themen auseinandersetzen, die mich wirklich interessieren, kann eine eigene Welt erschaffen und gestalten. Das ist ein sehr erfüllender Prozess, denn ich lerne sehr viel dabei und mache ständig neue Erfahrungen. Wenn diese Welt den Lesenden dann gefällt oder sie sogar bereichert, ist das ein großes Privileg.



4. Spontan oder Planung - und mit welcher Idee im Hinterkopf entstand "Fett Kohle"?

Ich wollte eine spannende Geschichte für Kinder schreiben, die in einem interessanten und lebendigen Umfeld angesiedelt ist, wie man es nicht oft vorfindet, es sei denn, man lebt wie Niklas dort. Die Armut im Schillerkiez und in anderen Gegenden Berlins ist insbesondere für Kinder schwierig, die dort aufwachsen. Ich wollte in „Fett Kohle“ einem Kind eine ungewöhnliche und abenteuerliche Chance geben, sein Leben ändern zu können.



5. Mit "Fett Kohle" ist Ihr zweites Buch erschienen. Im Gegensatz zu "Jenseits der blauen Grenze" ist es dieses Mal ein Kinderbuch. Was war für Sie einfacher zu schreiben?

Da „Jenseits der blauen Grenze“ ein Stück Zeitgeschichte abbildet, habe ich daran länger und intensiver gearbeitet. „Fett Kohle“ war etwas übersichtlicher, da der Rahmen ein anderer gewesen ist. Dennoch muss jedes Projekt in sich stimmig sein, was viel Arbeit bedeutet. Die Kategorie „einfach“ gibt es beim Schreiben für mich nicht.



6. Woher stammt Ihre Idee zu "Jenseits der blauen Grenze"?

Das kann ich gar nicht mehr sagen, ich habe viele Jahre an dem Roman geschrieben, ihn immer wieder überarbeitet und verändert. Ursprünglich wollte ich über eine Kindheit und Jugend in der DDR schreiben, so wie viele sie erlebt haben könnten. Da ich in Rostock aufgewachsen bin, war es naheliegend, die Geschichte dort zu verorten. Die Idee, parallel dazu eine Flucht über die Ostsee zu beschreiben, ist erst später entstanden, nachdem ich mich mit den Schicksalen der Menschen beschäftigt habe, die in der DDR benachteiligt waren, weil sie Widerstand geleistet und sich gegen Willkür gewehrt haben. Es war mir ein Anliegen, diesen Menschen eine Stimme zu geben.



7. Wieviel "Dorit Linke" steckt in den Figuren ihrer Bücher?

Recht wenig, denn ich schreibe fiktive Romane. Einige meiner Figuren agieren entsprechend einer Lebensphilosophie, die meiner nahe kommt, andere tun das überhaupt nicht. Hilfreich ist es natürlich, wenn ich die Schauplätze gut kenne, Erlebnisse und Stimmungen mit ihnen verbinde, so wie das in „Jenseits der blauen Grenze“ mit Rostock der Fall war oder in „Fett Kohle“ mit dem Schillerkiez in Neukölln.



8. Mir persönlich ist während des Lesens dieser Aspekt aufgefallen: Die Protagonisten befinden sich in einem relativ kleinen, überschaubaren Radius an Orten. Diese sind dafür so gewählt, dass sie beim Lesen "Kino im Kopf" erzeugen. Wie gut kennen Sie sich selbst an den von Ihnen gewählten Orten im Buch "Fett Kohle" aus?

Ich kenne den Schillerkiez seit vielen Jahren, bin oft auf dem Flugfeld oder in der Hasenheide unterwegs. Als ich den Plot entwickelt habe, schienen mir diese Orte als für die Handlung gut geeignet. Mitunter kann es sinnvoll sein, sich einen Schauplatz auszudenken, aber mir war von Anfang an klar, dass „Fett Kohle“ im realen Schillerkiez angesiedelt sein würde. Kinder bewegen sich außerdem in einem kleineren Umfeld als Erwachsene, daher ist der Einzugsbereich von Niklas und Felix überschaubar.



9. Das Buch ist für Kinder zwischen 10 und 12 Jahren. Wieso können es auch Ältere gut lesen?

Es ist sicherlich interessant für Ältere, die Neukölln kennen und mögen, allein weil auf fast jeder Seite bekannte Orte auftauchen. Außerdem steckt in einem Kinderbuch, so wie in anderen Büchern auch, viel dramaturgische Arbeit. Kinder langweilen sich schnell, daher habe ich ein gewisses Tempo vorgelegt, dem sich hoffentlich auch einige Erwachsene nicht entziehen können.



10. Besonders gelungen ist meiner Meinung nach auch der Sprachstil, der an einigen Stellen auch für lustige Momente sorgt. Warum musste dieser einfach eingebaut werden?

Der gewählte Sprachstil ist natürlich sehr wichtig. Wenn man beim Lesen den Eindruck gewinnt, dass der Ton nicht zur Gegend, zu den Menschen oder zur Lebenssituation passt, geht viel Atmosphäre verloren. Es wäre für mich nicht glaubwürdig gewesen, in der Hasenheide eine Horde Jungs perfektes Hochdeutsch sprechen zu lassen.



11. Im Buch macht der Leser Bekanntschaft mit unterschiedlichsten Personen. Da haben wir zum einen Niklas und Felix. Oder Murats Gang. Aber auch die berüchtigten Gangster. Oder Niklas' Stiefvater. Auf was muss man alles achten, wenn man so verschiedene Charaktere gestaltet?

Man muss ihnen durch Eigenarten, Verhaltensweisen und Sprache Leben einhauchen. Die Figuren sollten durch ihr Benehmen und Handeln wiedererkennbar sein, wobei es natürlich Überraschungen geben darf. Diese sollten aber nachvollziehbar sein. Oma Hartmann zum Beispiel hat nach all den Lebensjahren so ihre kleinen Ticks (Gebiss). Kinder finden es lustig, wenn sie beim Lesen vorausahnen können, dass die Figur gleich wieder ein ganz bestimmtes, komisches Geräusch machen wird.



12. Nochmal zu den Protagonisten selbst. Im Vordergrund stehen natürlich die beiden Hauptpersonen Niklas und Felix. Haben Sie diese an bestimmten realen Personen erschaffen? Oftmals spielen ja auch die Namen der Charaktere eine symbolische bzw. wichtige Rolle. Warum Niklas und Felix?

„Fett Kohle“ ist ein fiktiver Roman, Niklas und Felix sind frei erfunden. Auch die Handlung ist fiktiv, als Rahmen dienen Orte in Berlin, die es gibt. Es gab keinen besonderen Grund für die Wahl der Namen als den, dass ich sie passend fand.



13. Angenommen Sie selbst finden bzw. gelangen an "Fett Kohle". Wie würden Sie handeln? Was würden Sie mit dem Geld machen?

Da meine Antwort im Internet veröffentlicht wird: Ich würde das Geld natürlich zur Polizei bringen.



14. Wie kam der Magellan-Verlag auf Sie zu? Bzw. Sie auf ihn? Und wieso haben Sie sich für ihn entschieden?

Es ist für Autoren nicht gerade leicht, einen Verlag zu finden. Eine Freundin hat mich Magellan empfohlen, nachdem ich bereits länger nach einem Verlag gesucht hatte. Magellan glaubte an den Stoff und gab mir, einer unbekannten Autorin, eine Chance, worüber ich sehr glücklich bin. Es ist natürlich charmant, dass mein nordostdeutsches Buch „Jenseits der blauen Grenze“ in einem bayrischen Verlag erschienen ist – das ist doch mal ein Beleg für die gelungene Wiedervereinigung.



15. Zu Ihnen als Leserin: Liebesschnulze oder Thriller - was landet bei Ihnen im Bücherregal und was nicht?

Nichts gegen einen guten Liebesroman, aber „Schnulzen“ sind nichts für mich. Thriller schon eher mal, um abzuschalten, aber sie sollten gut geschrieben und nicht völlig realitätsfern sein.



16. Ihr Lieblingsbuch aus Kindertagen?

Ich kann mich beim besten Willen nicht entscheiden: „Der Seewolf“ von Jack London oder „Die Söhne der großen Bärin“ von Liselotte Welskopf-Henrich oder Arthur Conan Doyles „Sherlock Holmes“.



17. Ebook oder echtes Buch?

Echte Bücher haben ihren Charme, aber letzten Endes zählt doch der Inhalt. Beide Formate haben ihre Berechtigung. Wenn ich zwei Wochen wandern gehe, sind Ebooks klar im Vorteil, denn sie wiegen kaum etwas. Lümmle ich hingegen auf dem Sofa, geht das besser mit einem schönen Wälzer, wie man früher so sagte.





Vielen Dank Dorit Linke für die Beantwortung meiner Fragen! :-)



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