Autoren-Interview mit... Marc Raabe


Am Ende dieses Monats August 2015 bin ich sehr froh, wieder einen Gast auf meinem Blog zu haben. Dieses Mal im Interview: Marc Raabe, Autor der Bestseller "Schnitt", "Der Schock" und jetzt recht neu erschienen "Heimweh".

Der Autor steht mir Frage und Antwort und spricht u.a. über seine "Was-wäre-wenn Momente", die Magie des Schreibens und den Titel seines neuen Thrillers.

Seid gespannt!



Marc Raabe wurde 1968 in Köln geboren. Mit 15 Jahren entdeckte er seine Leidenschaft fürs Geschichtenerzählen und begann mit einem Freund Filme zu drehen. Drei Jahre später entstand daraus eine Produktionsfirma für Industriefilme, Musikvideos und Fernsehen.
Zusätzlich studierte er Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften sowie Germanistik, beendete jedoch das Studium vorzeitig, um sich ganz seiner Firma zu widmen. Heute ist er Gesellschafter und Geschäftsführer einer Fernsehproduktion und lebt mit seiner Familie in Köln.
Sein Thriller-Debüt »Schnitt« erschien 2012 im Ullstein Verlag und stand mehrere Wochen auf der Spiegel Online Bestsellerliste, ebenso wie sein zweiter Thriller »Der Schock«. Seine Bücher erscheinen in sechs Sprachen und »Schnitt« wurde beim Krimi-Blitz, dem Publikumspreis von krimi-couch.de, zum drittbesten deutschen Krimi 2012 gewählt.





Nun aber zum Interview! ;-)
Ich wünsche euch viel Spaß!!




  1. Beschreiben Sie sich doch mal für Ihre Leser, die Sie (noch) nicht kennen! ;-)

Oh, es wäre mir lieber, wenn das andere tun. Die sehen mich ja mit etwas Abstand viel besser, als ich es kann. Ich stecke ja in mir drin, das ist ein großer Nachteil.


  1. Wie kamen Sie zum Schreiben?

Ich habe schon als Schüler für die Schülerzeitung geschrieben, mit 20 habe ich mich dann an meinem ersten Roman versucht, bin aber letztlich beim Fernsehen gelandet, wo Geschichten viel kürzer und schneller erzählt werden als in Büchern. Die Leidenschaft fürs Schreiben war aber immer da und mit 40 habe ich gedacht: Wenn ich es jetzt nicht noch einmal probiere, dann tue ich es nie.


  1. Autor sein - was bedeutet das für Sie?

Ich erzähle einfach gerne Geschichten. Was mich am Schreiben so reizt, ist, dass ich mit wenigen Worten die Phantasie im Kopf meiner Leser anstoßen kann. Und mit ein paar Seiten kann ich ein ganzes Universum herbeischreiben. Das ist wie Magie. Vielleicht ist es das: Als Autor kann ich zaubern.


  1. Spontan oder Planung - wie (und wo) schreiben Sie Ihre Bücher?

Beim Schreiben beginne ich meist mit einer spannenden Ausgangssituation. Oft frage ich mich dabei einfach: „Was wäre wenn …“. Aus dieser Situation heraus entwickele ich dann beim Schreiben meine Geschichte. Einen Plot bis zum Ende durchzuentwickeln und ihn erst dann zu schreiben, das ist nicht meine Sache. Dann könnte ich mich selbst beim Schreiben ja nicht überraschen.


  1. Mit "Heimweh" ist Ihr neuestes Buch erschienen. Woher stammt die Idee für diesen Psychothriller?

Die Grundidee darf ich nicht verraten, sonst würde ich damit die Handlung vorwegnehmen. Nur soviel kann ich sagen: Es war einer dieser „Was-wäre-wenn“-Momente. Ich hatte den Prolog vor Augen, konnte den Waldboden förmlich riechen und den Insektenmann über mir sehen, die schwarzen Äste, die Wolkenfetzen und dann die Erde, die mir ins Gesicht regnet.


  1. Wieviel "Marc Raabe" steckt in Hauptfigur Jesse?

Meine ganze Phantasie steckt in ihm – und damit vermutlich auch ein guter Teil von mir. Jesse ist zum Beispiel jemand, der in der Not bereit ist, eine Abkürzung zu nehmen, auch dann, wenn es verboten ist. Da ist er mir sicherlich ähnlich.


  1. Gegen Ende nimmt das Buch eine komplett andere Richtung, als am Anfang gedacht. Wie schwer ist es, so einen krassen Wendepunkt zu erschaffen, dass er aber trotzdem zur Story passt und nicht aus der Luft gegriffen scheint?

Oh, ja, das ist wirklich schwierig. Ich musste es sehr fein ausbalancieren. Ich durfte nicht zu viel verraten, aber eben auch nicht zu wenig. Sehr geholfen haben mir meine Testleser. Immer wenn es eine neue Version gab, kam sie auf den Prüfstand, idealerweise bei jemandem, der noch nichts von der Geschichte wusste. Meine Agentin zum Beispiel hat das Buch gelesen, kannte das Ende noch nicht und war fast enttäuscht. Nicht weil sie es nicht gut fand, sondern weil das Ende noch nicht den richtigen Widerhall in der Geschichte hatte. Daraufhin habe ich mehr Verbindungen geschaffen. Kleine Hinweise wie Halteseile. Es sind diese kleinen Momente, manchmal nur einzelne Worte, die sich im Kopf des Lesers festhaken und am Ende denkt man plötzlich, ja klar, das passt. Nur so kann es gewesen sein. Es ist ein permanentes Spiel von tarnen, täuschen, offenbaren.


  1. In "Heimweh" spielen viele Szenen in einem Kinder- bzw. Jugendheim. Wieso haben Sie diesen Ort gewählt?

Ein Heim ist – wie eine Schule – ein Mikrokosmos, eine Art Brutkasten. In einem geschlossenen System prallen lauter unterschiedliche Jugendliche aufeinander. Und sie alle sind noch so jung und formbar, tun viele Ding, die für ihr späteres Leben entscheidend sind. Man kann förmlich dabei zuschauen, wie hier Leben geprägt werden. Das ist für mich als Autor ein gefundenes Fressen.


  1. Der Titel Ihres Buches spielt zunächst eine eindeutige Rolle, nimmt gegen Ende aber noch eine zweite, ganz andere Rolle ein, mit der man zu Beginn nicht gerechnet hat. Haben Sie den Titel selbst entworfen (mit welchem Hintergrundgedanken?)?

Tatsächlich hieß das Buch zunächst „Jesses Grab“. Der Titel hätte mir auch gut gefallen. Aber beim Verlag gab es einige Zweifel und schließlich schlug mir meine Lektorin „Heimweh“ vor. Mir gefiel von Anfang an die Doppeldeutigkeit.


  1. Vor "Heimweh" sind ja die beiden Thriller "Schnitt" und "Der Schock" erschienen. Inwiefern kann man sie mit Ihrem neuesten Buch vergleichen? Und woher stammten ihre Ideen zu den beiden Büchern?

Was meine drei Bücher miteinander verbindet, ist, dass es jedes Mal um „Leib und Seele“ meiner Protagonisten geht. Bei mir gibt es keine Ermittler, die sich einen Fall zu eigen machen. Was in meinen Büchern passiert, ist untrennbar mit meinen Protagonisten verbunden. Was Heimweh von den beiden vorherigen Büchern unterscheidet, ist vielleicht, dass es noch etwas tiefer geht, weil ich die Geschichte auf zwei Zeitebenen erzähle. Früher und im Hier und Jetzt.


  1. Zum Abschluss noch etwas Gruseliges...die Idee dazu kommt aber ja eigentlich von Ihnen selbst...: Stellen Sie sich doch mal vor, Sie kommen nach Hause und im Zimmer Ihrer Kinder steht an der Wand "Du hast sie nicht verdient". Wie würden Sie da reagieren?

Zunächst mal würde ich meine Jungs auffordern, dass sie bitte die rote Schrift von der Wand entfernen oder einen Eimer Farbe kaufen und es überstreichen.

Sollte es allerdings wie bei Jesse sein, dann kann jeder recht gut nachlesen, was ich vermutlich tun würde. In Heimweh habe ich ja alles bereits einmal durchgespielt.


  1. Zu Ihnen als Leser: Liebesschnulze oder Fantasy - was landet bei Ihnen im Bücherregal und was nicht?

Keine Schnulzen, dafür jede Art von Spannungsliteratur – und da natürlich auch Fantasy oder All-Age Bücher wie Harry Potter und Die Tribute von Panem. Ist ja auch spannend.

Ansonsten lese ich gerne mal in der Wochenzeitung „Die Zeit“.


  1. Ihr Lieblingsbuch aus Kindertagen?

Oha. Enid Blyton, z.B. die „Insel der Abenteuer“. Düster, atmosphärisch, abenteuerlich. Oder Salgari: „Sandokan“, und „Der Graf von Monte Christo.“


  1. Ebook oder echtes Buch?

Ich mag mich gar nicht entscheiden. Gut am Ebook ist, dass ich es Nachts ohne Lampe im Bett lesen kann. Die Hintergrundbeleuchtung ist schon eine gute Sache. Am Buch mag ich die Buchläden. Es ist immer etwas Besonderes, in den Buchhandel zu gehen und von Millionen gedruckten Buchseiten umgeben zu sein. Wände und Regale voller Schätze.



Vielen Dank an Marc Raabe, für die Beantwortung meiner Fragen!! :-)
Jetzt habt ihr wie immer die Möglichkeit, Fragen, Meinungen, etc. abzugeben! :D Ab in die Kommentare damit! :D



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