Zum Jahresabschluss 2014 gibt es noch ein Interview mit Patricia Schröder. Über ihr Autor-Dasein, ihr Buch "Blind Walk" und viele andere Dinge.

Patricia Schröder, 1960 geboren, lebt mit ihrem Mann, zwei Kindern und einer Handvoll Tieren auf Eiderstedt, wo sie als freie Autorin arbeitet. Sie begann mit Rundfunkessays, später kamen Texte für Anthologien dazu. Inzwischen sind von ihr zahlreiche Kinder- und Jugendromane veröffentlicht und in andere Sprachen übersetzt worden.


Zu ihrem aktuellen Buch "Blind Walk":

Als die 17-jährige Lida Donelly zusammen mit ihrem Freund Jesper an einem sogenannten „Blind Walk", einem Event aus dem Internet, teilnimmt, rechnet sie mit nicht mehr als ein bisschen Nervenkitzel. Zusammen mit fünf anderen Jugendlichen werden Lida und Jesper mit verbundenen Augen in der Wildnis ausgesetzt, ausgestattet mit einem Kompass und ein paar wenigen Gegenständen. Doch von Anfang an ist die Stimmung in der Gruppe hochexplosiv. Die Situation droht zu eskalieren, als die Jugendlichen nach kurzer Zeit die Leiche einer der Männer finden, die sie in den Wald gebracht haben. Lida beschleicht das unheimliche Gefühl, dass sie beobachtet werden. Schon bald wird dieser erste Verdacht zur bösen Gewissheit: Irgendjemand da draußen macht Jagd auf sie. Und der Jäger scheint es dabei vor allem auf sie, Lida, abgesehen zu haben.

Aber nun zum Interview!

1.    Beschreiben Sie sich doch mal für Ihre zukünftigen Neuleser und diejenigen, die noch nicht so viel über Sie wissen!


Ich mich?! Haarfarbe? Augenfarbe? Alter? Hobbys? Oder meinst Du meine Bücher? Oder wie ich lebe? Hmm … ich nehme an, ich kann es mir aussuchen … Also: Eigentlich bin ich Textildesignerin, da ich aber seit über 20 Jahren fern ab von jeglicher Textilindustrie in Schleswig-Holstein auf dem Land lebe, hat sich dieser Beruf gewissermaßen ad absurdum geführt. Ich mag die Einsamkeit, das Meer und die Geschichten, die sich in meinem Kopf zusammenspinnen. Außerdem mag ich malen, Möbel umräumen, nähen, im Garten und am Haus werkeln, meinen Mann, mit dem ich seit über 35 Jahren zusammen bin, meine Kinder, Bücher, Filme … und die Menschen so sein lassen, wie sie sind.
Bekannt geworden bin ich durch meine Mädchenreihen (Beste Freundin, blöde Kuh, Four Girls Only / Hexgirls etc.) Inzwischen schreibe für viele Genres: Thriller, Fantasy, Romantasy, Alltagsgeschichten, Problembücher und für Kinder und Jugendliche von 6 bis 16 Jahren. Seit 1998 (Erstveröffentlichung „Bis über beide Ohren“) habe ich mehr als 150 Bücher geschrieben.



2. Mein erstes Buch schrieb ich mit 36  Jahren - wie kamen Sie zum Schreiben?


Na ja, mehr oder weniger notfallmäßig als Folge unseres Umzugs von Düsseldorf nach SWH. Wenn der alte Beruf nichts mehr „taugt“, muss halt ein neuer her. Schriftstellerin wollte ich eigentlich nie werden, aber ich kannte einen  Kinderbuchautor aus Düsseldorf. Christian Bieniek (mittlerweile leider gestorben). Er war der Schwager einer Kommilitonin. Wir haben viel Zeit zusammen mit unseren Kindern auf Spielplätzen verbracht. Ja, und irgendwie hat er mich aufs Schreiben gebracht. Denn er schrieb genau die Bücher, die ich als Kind und Jugendliche gerne gelesen hätte. Und irgendwann dachte ich, da hättest du auch Lust zu … hab’s probiert und mit Christians Hilfe und einer Agentin hat es dann auch ziemlich schnell geklappt. Sollte wohl so sein.



3. Autor sein - was bedeutet das für Sie?


Oha, das ist so eine Frage, auf die allgemeinhin zumeist eine gewichtige Antwort erwartet wird, wie:  Ich schreibe, weil ich etwas zu sagen habe … weil ich etwas ändern will … weil ich auf diese Weise meinen Gedanken und Gefühlen Ausdruck geben kann. Puh! Das alles trifft auf mich nicht zu. Ich schreibe schlicht und ergreifend, weil es mir Spaß macht. Und weil es inzwischen mein Beruf ist und ich meine Familie davon ernähre. Das ist manchmal ganz schön stressig, weil ich in der Regel wenig Zeit für die einzelnen Projekte habe.
Mein Traum: Einmal nicht ans sich allmählich leerende Konto denken müssen und ganz in Ruhe einen Roman entwickeln und fertig schreiben. Das geht zurzeit leider (noch) nicht. Im Moment schreibe ich die ersten drei oder vier Kapitel und ein Exposé. Damit gehe ich dann zu meinen Verlagen. Um leben zu können, muss ich jedes Jahr 8 bis 10 Bücher veröffentlichen.



4. Wie finden Sie immer wieder neue Ideen für Ihre Bücher?


Überall und ständig. Sie fallen sozusagen über mich her und wollen nachfolgen dann fein sortiert und durchdacht werden. Mein derzeitiges Ideen-Konto reicht für die nächsten 5 Jahre.



5. Spontan oder geplant - wie und wo entstehen Ihre Werke?


Die Ideen kommen spontan, die Bücher entstehen dann schon geplant (Notizen über Ablauf und Charaktere). Manchmal bekomme ich eine Anfrage von einem Verlag, wie z.B. vor Kurzem (mal wieder) für eine Mädchenreihe. Das sollte ruck zuck gehen. Und das geht es bei mir dann auch. Das ist so ähnlich wie bei einem Konditor, der über Nacht eine neue Torte kreiert.



6. Liebesgeschichte oder Krimi - was darf in Ihr Bücherregal? Ihre eigenen Bücher auch? ;-)


In mein Bücherregal kommt fast alles. Nicht so gerne lese ich historische Romane. Die schreibe ich selber aber auch nicht ;-). Na ja, und für meine eigenen Bücher brauche ich fast schon ein eigenes Zimmer … wenn man überlegt, dass ich von jedem Titel zwischen 15 und 50 Freiexemplare bekommen habe … Da muss ich hin und wieder mal ein Paket für Kinderheime schnüren.



7. "Blind Walk" ist Ihr aktuelles Jugendbuch. Ein Thriller. Sagen Sie doch kurz etwas zu Ihrem eigenen Werk!


Och nö! Es gibt inzwischen so viele Rezis und zudem die XL-Leseprobe, was soll ich dazu jetzt noch sagen?  Ich bin nicht so sehr die Über-das-eigene-Werk-Rederin. Um KollegInnen, die das tun, mache ich immer einen großen Bogen.



8. Woher stammt die Idee des "Blind Walks"?


Keine Ahnung … aus meinem Kopf …??? Und wo der das her hat?  Danach frage ich ihn nicht.
Hmmm … Ich glaube, Du hättest anders fragen müssen … aber das erschließt sich vielleicht aus meiner Antwort auf Deine nächste Frage.



9. Charaktere und ihr "Leben" innerhalb des Buches ist ein wichtiges Thema. Gerade in "Blind Walk" passiert im Mittelteil etwas, mit dem vielleicht nicht jeder gerechnet hat (Umherwandern der Seelen). Warum haben Sie sich "dazu" entschlossen?


Weil das der Anfang war. Die Ur-Idee: Koma. Sten. Schuldgefühle. Sten ist mein heimlicher Protagonist. Mein Schützling. Ihn seine Geschichte im Monolog während des Komas aufarbeiten zu lassen, wäre wahrscheinlich ziemlich langweilig geworden. (Es gibt AutorInnen, die sowas können, ich glaube, ich gehöre nicht dazu). Sten musste also etwas erleben und dazu musste ich ihn herumlaufen lassen. Er sollte jemanden finden, der ihm bewusst macht, dass er keine Schuld trägt und dass es sich lohnt aus dem Blind Walk des Komas aufzuwachen und ins Leben zurückzukehren: Lida. Damit sie ihn treffen konnte, musste sie ebenfalls ins Koma. Und weil ich nicht wollte, dass sie auch einen Unfall hat, habe ich – mein Kopf – nach etwas anderem gesucht und Organskandal und diese Waldgeschichte gefunden. Das fand ich sehr passend: blind im Koma, blind durch die Gegend tapern … So ist das entstanden. Vom Verlag verkauft wird es genau andersherum und ich bin auch nur halb glücklich damit.
Manche mögen das überraschend Übernatürliche, manche nicht. Wenn ich allerdings lese, dass jemand schreibt, genau das hätte diese Geschichte nicht gebraucht, muss ich immer schmunzeln … Schließlich bin ich die Einzige, die die wahren Hintergründe der Entstehung kennt … aber  naja, das wird sich ja jetzt durch dieses Interview vielleicht ein wenig ändern.



10. Auf welches Ihrer eigenen Bücher sind Sie am meisten stolz?


„Gyde und die Flut“ Das Buch gibt es allerdings nicht mehr zu kaufen. Es war dünn und traurig mit einem schlechten Ende, aber in keinem meiner Bücher hat bisher so viel Seele gesteckt. (Also doch was Gewichtiges ;-))



11. Folgen demnächst weitere Jugendbücher von Ihnen?


Erst mal folgen jede Menge Kinderbücher. Eine Jugendbuch-Idee ist in „Arbeit“. Die ersten Kapitel und das Exposé verfasse ich demnächst. Danach geht es an meine Verlage … der übliche Weg. Wenn alles klappt, dann wird es frühestens in 2 Jahren erscheinen.



12. Mein Lieblingsbuch aus Kindertagen...


„Das doppelte Lottchen“ von Erich Kästner.



13. A oder B, das ist nun Ihre Entscheidung: Youtube-Blog oder die schriftliche Form? Ebook oder echtes Buch?


Ich persönlich besitze (noch) keinen E-Reader. Aber das soll jeder so halten, wie er mag, schließlich hat alles seine Berechtigung … und auch seine Zeit. Vielleicht gibt es irgendwann nichts Gedrucktes mehr. Erleben möchte ich das selber aber lieber nicht.


Vielen Dank an Patricia Schröder!!!

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