Autoren-Interview mit... Peer Martin


Heute zu Besuch ist Peer Martin, Autor des Jugendbuches "Sommer unter schwarzen Flügeln". Auf amazon liegt die Durchschnittsbewertung des Romans bei satten 4,9 von 5 Sternen! Im Interview spricht er über die Gespräche mit seiner Hündin Lola, DAS Ereignis am Strand und zerfledderten Büchern unter seinem Bett.

Seid gespannt auf ein lustiges Interview, das aber einen ernsten Hintergrund hat!


Peer Anders Martin wurde 1968 in Hannover geboren. Schon als Jugendlicher interessierte er sich neben Basketball, Eckkneipen und Schwarzweißfilmen für das Schreiben, kam allerdings über merkwürdige Kurzgeschichten nie hinaus. Nach einem Sozialpädagogikstudium in Berlin (wo er seine ganz erstaunliche Frau und erste Leserin kennenlernte) arbeitete er mehrere Jahre mit Jugendlichen in Berlin, Brandenburg und Vorpommern, zuletzt auf der Insel Rügen.
Diese Erfahrungen und die Erzählungen eine syrischen Freundes brachten ihn schließlich dazu, seinen ersten Roman niederzuschreiben, der auf seinen vielen langen Spaziergängen an den Stränden der Ostseeküste entstand, wo er seine Geschichte zuerst der geduldigen Hündin Lola erzählte.
Seit kurzem lebt er mit seiner Frau, drei Kindern und Lola in Quebec und konzentriert sich ganz auf seine Geschichten (und natürlich seine Kinder).



Und um dieses Buch geht es:


Martin, Peer

Sommer unter schwarzen Flügeln

Oetinger Verlag

496 S., gebunden

19,99 €


Eine Leseprobe findet ihr hier.


Die interessante Website zum Buch und einigem mehr findet ihr hier.







Nun wünsche ich aber euch viel Spaß beim Lesen des Interviews!!



1. Beschreiben Sie sich doch mal für die Leser, die Sie (noch) nicht so kennen!


Auweia. Ich bin ein mittelgrosser mittelschlecht frisierter Typ mit Kapuzenpulli und Turnschuhen und einem Loch im linken Hosenbein (momentan). Ich sehe meinem Hund hoffentlich nicht aehnlich, obwohl man das nach Jahren mit Hund angeblich tut, denn das ist eine Sie und sie ist blond.



2. Autor sein - was bedeutet das für Sie?


Ich bin es erst seit einem Buch. Ich glaube, das muss ich noch herausfinden. Ich bin eigentlich momentan mehr Familienvater einer Familie mit drei Kindern und arbeitender Mutter, Auswanderer und schlecht franzoesisch sprechender Bewohner einer franzoesisch sprechenden Stadt.



3. Wie kamen Sie zum Schreiben? War das schon immer Ihr Traumberuf?


Nein, ich betrachte das jetzt auch nicht als Beruf. Beruf ist etwas, wovon man lebt. Ich habe zwar immer mal geschrieben, aber die Texte sind jahrelang in verschiedenen Schubladen gelandet, das waren unfertige Sachen oder unlesbare Kurzgeschichten, und dann habe ich lange auch einfach gearbeitet und nur „im Kopf“ geschrieben. Ich glaube, ich bin nicht der typische verhinderte Schriftsteller, der von Jugend an als Aussenseiter zu Hause sitzt und schreibt, ich hatte immer sehr viele andere Dinge zu tun :-)



4. Haben Sie beim Schreiben Unterstützung? Oder schreiben Sie lieber im stillen Kämmerlein?


Auf dem stillen Sofalein, im Fall des Sommerbuches, da wohnte ich ja nach dem Umzug der uebrigen Familie noch bei einem Freund in Berlin. Zurzeit am Tisch, da habe ich tatkraeftige Unterstuetzung von Hannah-Marie, die ein halbes Jahr alt ist. Ansonsten maile ich viel mit einem syrischen Freund in D. und erzaehle Lola, unserer Hundedame, beim Spazierengehen einige Szenen. Wenn sie zu offensichtlich gaehnt, denke ich lieber nochmal drueber nach ...



5. Mit "Sommer unter schwarzen Flügeln" haben Sie ein Buch geschrieben, das eine aktuelle Thematik aufgreift. Warum gerade dieses Thema?
Wie kamen Sie auf die Idee, die hinter dem Buch steckt?


Es war nicht so, dass ich dachte: Das ist ein gutes Thema, dazu denke ich mir jetzt eine Story aus. Die Geschichte war ploetzlich da, als ich diese beiden Jugendlichen am Strand sah, ich habe das schon in mehreren Interviews erwaehnt … sie waren zu weit weg, um genaues zu erkennen, aber sie haetten Calvin und Nuri sein koennen, ein offenbar nicht deutsches Maedchen und ein Junge mit leicht interpretierbarer Kleidung. Die beiden Themen, die hier eine Rolle spielen, Syrien und die Rechten, oder das eine grosse Thema: Gewalt, interessieren mich schon lange, auch durch den Umgang mit rechtsdenkenden Jugendlichen in meinem Job.



6. Im Buch lernen wir zwei Protagonisten, Nuri und Calvin, kennen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. War es schwer, so verschiedene Charaktere zu erschaffen?


Wie gesagt, ich habe sie nicht erschaffen, sie waren da. Schwer war, ihnen beiden gerecht zu werden, ohne sie flach und klischeehaft zu machen. Ich wollte kein typisches armes Opfer, kein ausschliesslich liebes Fluechtlingsmaedchen, keine samtpfoetigen lieben Aussteiger aus der rechten Szene und auch keinen Hard Core Rechten. Es war unendlich schwer, Calvin unsymphathisch und symphatisch sein zu lassen. Zu Beginn ist er ja wirklich sehr rechts, man soll ihn eigentlich nicht moegen, muss ihm aber sozusagen eine Chance geben. Er hat im Buch sehr wenig Zeit fuer seine Entwicklung (sonst waere einfach das Buch zu lang geworden), noch weniger durch die Kuerzung des Textes, die sicher aber dringend notwendig war ...



7. Nun haben Sie aus Sicht zweier Parteien geschrieben, die Sie selbst nicht betreffen. Mussten Sie dafür viel recherchieren?


Beide Parteien sind mir ja bekannt, ich kenne rechte Jugendliche, ich kenne jugendliche Asylanten und Asylbewerber, dies alles (vor allem ersteres) durch meine Arbeit. Ich kenne erwachsene Flüchtlinge und Syrer, die seit langem in Deutschland leben. Natürlich habe ich trotzdem zu beiden Themen recherchiert, ohne Recherche ist so ein Buch nicht möglich, aber da geht es um zeitgeschichtliche oder aktuelle politische Fakten, nicht um die Personen selbst.



8. Am Anfang jedes Kapitels stehen jeweils zwei Zitate, am Ende Stichworte zur Online-Suche. Warum haben Sie sich entschlossen, diese "Hinweise" den Lesern zu geben?


Eigentlich wollte ich links ins Buch setzen, bestimmte Internetseiten sozusagen „einkleben“ wie in einer Kollage, da ich bei meiner Recherche auf so vieles stieß, das ich nicht beschreiben konnte, weil es den Rahmen vollkommen gesprengt hatte. Links bleiben aber nicht lange aktuell, Netzseiten verschwinden, sind nicht mehr abrufbar usw. Deshalb haben der Verlag und ich uns gemeinsam für die Suchvorschläge entschieden. Inzwischen finde ich das auch viel besser, weil es ein weiteres Feld öffnet und dem Leser, so er denn möchte, mehr Eigeninitiative abverlangt. Wer selbst googelt, beschäftigt sich mehr mit einem Thema. Außerdem ist es immer wichtig, und gerade das sollten Jugendliche lernen (na ja, sie wissen das vielleicht schon besser als wir „Alten“) - sich Fakten aus mehreren Quellen zu erlesen. Ein einziger Artikel in der Zeitung oder im Netz sagt selten die absolute Wahrheit, ein Leser, der Stichworte googelt, stoesst auf eine Vielzahl von Treffern und wird so hoechstwahrscheinlich mehrere verschiedene Perspektiven zu einem Thema kennenlernen, um sich dann seine eigene Meinung zu bilden.



9. Gerade die Erzählungen von Syrien sind sehr atmosphärisch und erzeugen "Kino im Kopf". Waren Sie selbst einmal vor Ort?


Ja, aber das ist lange her. Nur als Besucher und Reisender. Ich bin damals mit ein paar Freunden in einem alten Auto durch Syrien gefahren und wusste noch wenig vom politischen Geschehen dort, habe das Land aber vom ersten Moment an geliebt. Allerdings war ich erstaunt, wie viel Staub es in einem einzigen Land geben kann :-)



10. Mit "Winter so weit" wird es einen zweiten Band geben. Warum haben Sie sich dazu entschlossen und auf was dürfen wir gespannt sein?


Diese ganze Sache ist eine Trilogie, was sich entschieden hat, waehrend ich den ersten Band schrieb. Ich stieß einfach auf so viele komplexe Themen, dass ich sie unmoeglich alle in einen Band packen konnte, das Buch haette weit ueber tausend voellig unlesbare Seiten gehabt. Im ersten Band haben wir ja die jugendlichen Rechten, die „man so kennt“ (und die es, obwohl klischeebeladen, auch in Massen so gibt) und die Geschichte von Nuris Familie in Syrien bis zur Flucht. Im zweiten Band geht es mehr um die netten Oeko-Rechten, vor allem Frauen, die eigentlich gefaehrlicher, weil unauffaelliger sind. Ausserdem tauchen wir tiefer ein ins eigentliche Kriegsgeschehen, Calvin geht ja nach Syrien, um Dschinan zu retten.

Es gab zum Beispiel den IS noch nicht, als ich den ersten Band schrieb. Es gab auch Pegida noch nicht. Im dritten Band geht es dann um den Fluchtweg zurueck von Syrien nach Deutschland und um die geschlossenen Grenzen Europas, das momentan vielleicht aktuellste Thema. Abgesehen davon konnte ich aber auch einfach meine Protagonisten nicht loslassen, ich habe sie inzwischen zu gern, sie sind fuer mich zu real geworden. Ich musste ihre Geschichte weitererzaehlen. Cindy spielt im dritten Band noch eine wichtige Rolle, dieser letzte Band steuert auf einen Gerichtsprozess gegen die Clique zu … Es geht also nicht nur lehrreich und trocken um politische Fakten, Gewalt, Mord und Totschlag, sondern auch sehr viel um die Personen an sich, ein bisschen Liebesgeschichte, na ja ...



11. Wann dürfen wir wieder etwas von Ihnen zum Lesen in den Händen halten?


Das kommt auf die Entwicklung des ersten Buches an, denke ich. Wenn der erste Band weite Kreise von Lesern erreicht, bald, wenn sich herausstellt, dass sich eigentlich keiner dafuer interessiert, eher spaet oder gar nicht.



12. Nun zu Ihnen als Leser: Was landet bei Ihnen zu Hause im Bücherregal?


Der Fussball meiner Soehne, der Schnuller meiner Tochter, Starwarsfiguren, im unteren großen Fach Lola, Teller mit alten Apfelstuecken, und ganz ab und zu auch mal ein Buch, das meistens meiner Frau gehoert. Ich selbst lese z.B. schwedische Krimis, aber die liegen meistens zerfleddert unter dem Bett.



13. Ihr Lieblingsbuch aus Kindertagen?


Sophiechen und der Riese von Roald Dahl. Der deutsche Titel klingt schlimm harmlos. Ich habe die ekligen Kotzgurken mit fünf einfach geliebt, die der Riese isst.



14. Abschlussfrage: Ebook oder echtes Buch?


Kommt drauf an. Bei langer Reise: viele Buecher im e-Format. Zu Hause: viel echtes Buch.



15. Abschlussfrage, die zweite: Youtube-Blog oder die schriftliche Form?


Schriftlich ist benutzerfreundlicher, jedenfalls fuer Maenner. Ich lese solche Dinge ja erst seit ganz, ganz kurzem. Bei den Youtoubevideos geht es meistens eher um die Frisur des bloggenden Maedchens oder ihre Katze, habe ich das Gefuehl. Ich meine, die Maedchen und Katzen sind alle huebsch, ich habe nichts gegen sie, natuerlich.




Vielen Dank Peer Martin für die Beantwortung meiner Fragen!!! :-)

Ich freue mich auf eure Kommentare!


 

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