Doppel-Interview mit... Ursula Poznanski und Arno Strobel


Ich freue mich wirklich sehr, dass zwei Hochkaräter des Thriller-Genres mir heute Frage und Antwort stehen. Ursula Poznanski und Arno Strobel sind schon für sich allein zwei Bestseller-Autoren, zusammen haben sie insgesamt über 1,7 Millionen Bücher verkauft. Im Oktober 2015 ist ihr erstes gemeinsames Buch erschienen: "Fremd". Ein Psychothriller, der aus Sicht zweier Protagonisten erzählt wird.

Freut euch auf ein wirklich spannendes Interview über gemeinsames Schreiben, Wein und Vanillekipferl ;-).



© Gaby Gerster
© Gaby Gerster


Ursula Poznanski wurde 1968 in Wien geboren. Sie war als Journalistin für medizinische Zeitschriften tätig. Nach dem fulminanten Erfolg ihres Jugendbuches "Erebos" landete sie bereits mit ihrem ersten Thriller "Fünf" auf den Bestsellerlisten. Es folgten "Blinde Vögel" und "Stimmen". Inzwischen widmet sich Ursula Poznanski ganz dem Schreiben. Sie lebt mit ihrer Familie im Süden von Wien.


Arno Strobel, 1962 in Saarlouis geboren, studierte Informationstechnologie und arbeitete lange bei einer großen deutschen Bank in Luxemburg. Mit seinen Psychothrillern ("Der Trakt", "Das Wesen", "Das Rachespiel") erklomm Strobel die Bestsellerlisten. Arno Strobel lebt mit seiner Familie in der Nähe von Trier.



Und um dieses Buch geht es:


Poznanski/Strobel

Fremd

Rowohlt-Wunderlich

400 S., broschiert

16,99 €


Stell dir vor, du bist allein zu Haus. Plötzlich steht ein Mann vor dir. Er behauptet, dein Lebensgefährte zu sein. Aber du hast keine Ahnung, wer er ist. Und nichts in deinem Zuhause deutet darauf hin, dass jemand bei dir wohnt. Er redet auf dich ein, dass du doch bitte zur Vernunft kommen sollst. Du hast Angst. Und du verspürst diesen unwiderstehlichen Drang, dich zu wehren. Ein Messer zu nehmen. Bist du verrückt geworden? Stell dir vor, du kommst nach Hause, und deine Frau erkennt dich nicht. Sie hält dich für einen Einbrecher. Schlimmer noch, für einen Vergewaltiger. Dabei willst du sie doch nur beschützen. Aber sie wehrt sich, sie verbarrikadiert sich. Behauptet, dich niemals zuvor gesehen zu haben. Sie hält dich offensichtlich für verrückt. Bist du es womöglich?
Eine Frau. Ein Mann. Je mehr sie die Situation zu verstehen versuchen, desto verwirrender wird sie. Bald müssen sie erkennen, dass sie in Gefahr sind. In tödlicher Gefahr. Und es gibt nur eine Rettung: Sie müssen einander vertrauen...




Nun wünsche ich euch aber viel Spaß beim Doppel-Interview!




1.      Oktober 2015 ist es soweit: Euer gemeinsamer Thriller "Fremd" erscheint. Was hat euch dazu bewegt, gemeinsam ein Buch zu schreiben?

UP: Die Überzeugung, dass es niemals klappen kann. Wir haben einen sehr lustigen Abend bei einer Flasche Wein verbracht und über Kollegen gesprochen, die gemeinsam schreiben – etwas das wir uns beide nicht vorstellen konnten. Ich bin bei meinen Ideen und Texten überhaupt nicht kompromissbereit und fand die Vorstellung, dass mir da jemand mit Fug und Recht reinreden können sollte, völlig abstrus. Arno sah das ähnlich. Im Lauf des Abends spielten wir dann aber so lange mit der Idee herum, dass wir am Ende beschlossen haben, einfach aus Jux ein paar Kapitel zu schreiben. Das hat dann zu viel Spaß gemacht, um es wieder bleiben zu lassen.

AS: Wein. :-)

Die Idee dazu kam uns tatsächlich bei ein, zwei Gläschen Wein am Rande der Buchmesse. Wir unterhielten uns über das Schreiben an sich und wie jeder von uns es mit diesem oder jenem handhabt. Dabei stellten wir einige Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten fest. Wie zum Beispiel die Tatsache, dass wir beide uns nicht vorstellen könnten, ein Buch mit jemandem zusammen zu schreiben.

Aber irgendwie ließ das Thema uns nicht mehr los. Am Ende des Abends verabredeten wir dann doch, nur mal zum Spaß zwei Kapitel zu schreiben. Diese beiden Kapitel machten tatsächlich so viel Spaß, dass wir noch eins dranhängten und noch eins. Irgendwann wurde aus dem Spaß eine richtig gute Story und schließlich „Fremd“.



2.      Wie lief die Zusammenarbeit von Idee über Planung bis Endphase? Ihr wohnt ja nicht unbedingt nebeneinander... ;-)

UP: Stimmt. Aber es gibt zum Glück Telefon und Internet – und zudem haben wir uns in regelmäßigen Abständen getroffen, um zu plotten und um später gemeinsam zu redigieren. Die intensiven Arbeitsphasen haben wir also gemeinsam bestritten, geschrieben hat jeder für sich alleine.

AS: Wir haben das gesplittet. Die Idee wurde schon am ersten Abend geboren. Für das Feinkonzept und das anschließende Plotten der Story haben wir uns ein paar Mal für jeweils zwei, drei Tage getroffen. Alles andere lief – schöne, vernetzte Welt – über E-Mail oder Telefon. Wir haben die Kapitel im Ping-Pong-Verfahren geschrieben und uns hin- und her gemailt. Das lief nicht nur absolut problemlos, sondern sorgte hier und da auch für witzige Situationen. Manche davon zufällig, andere bewusst provoziert. :-)


3.        Das Buch wird aus Sicht zweier Protagonisten erzählt. An welchen Dingen haben Sie sich speziell in ihren Kapiteln gefreut und haben Sie manchmal gedacht "Wieso muss ich denn jetzt diese Szene schreiben?!"? ;-)

UP: Das Schöne daran, zu zweit zu schreiben ist unter anderem, dass man dem Mitautor immer wieder kleine Überraschungen bereiten und ihm das Leben ein klitzekleines bisschen schwerer machen kann. Oder herausfordernder, nennen wir es so :-)
Das habe ich außerordentlich gern getan.

Und ja, es gab Szenen, ganz speziell eine, die ich sehr gerne an Arno abgetreten hätte, aber leider hat er nein gesagt.

AS: Es war jedes Mal superspannend, ein Kapitel zu bekommen, zu lesen und dann darauf zu reagieren. Auch, wenn der Verlauf der Geschichte klar war, gab es trotzdem immer wieder Überraschungen, wenn ein neues Kapitel ankam. Die dann aufzugreifen und nach eigenem Gutdünken fortzusetzen, war mehr als einmal eine echte Herausforderung, die aber immer riesigen Spaß gemacht hat.

Den Gedanken „Wieso muss ich diese Szene schreiben?“, gab es meines Wissens nur ein Mal. Aber den hatte nicht ich, sondern Ursula. Mein Gedanke war eher: „Gott sei Dank muss ich diese Szene nicht schreiben.“


4. Frau Poznanski, was können Sie besser als Ihr Kollege? Und was können Sie beide besser zusammen, als alleine?


UP: Ich bin geringfügig besser im Einhalten von Terminen, hänge ihn vermutlich auf der Skipiste ab, und ich könnte mir außerdem vorstellen, dass ich besser stricke als er. Das müssten wir allerdings erst einem Realitätscheck unterziehen. Ah ja, und an meine Vanillekipferl kommen seine hundertprozentig auch nicht heran.

Was wir gemeinsam wirklich gut können, ist Plotten. Da sind wir zwar auch solo schon recht gut, zu zweit läuft es aber deutlich schneller, weil meist der eine die gedanklichen Leerläufe des anderen füllen kann.

4. Herr Strobel, was können Sie besser als Ihre Kollegin? Und was können Sie beide besser zusammen, als alleine?



AS: Es gibt einige männerspezifische Dinge, die ich sicher besser kann als Ursula. Das war’s dann aber auch schon. Ursula ist ein Vollprofi, und von der Zusammenarbeit mit ihr kann ich nur profitieren. Der Gedanke, etwas besser zu können, ist Lichtjahre entfernt.

Was wir beide definitiv besser zusammen können, ist das Entwickeln einer Idee und das anschließende Plotten. Immer dann, wenn man alleine beim Plotten hängen würde, ist der andere da und hat die rettende Idee.


5. Was macht Arno Strobel aus?

UP: Tja. Das Licht, bevor er sich schlafen legt, vermute ich mal :-)

Ansonsten lässt sich diese Frage nicht in der Kürze eines Interviews beantworten, dazu ist Herr Strobel dann doch zu komplex.

5. Was macht Ursula Poznanski aus?


AS: Ich finde, das ist eine gemeine Frage. :-) Darauf kann ich nur eine Antwort geben: Was Ursula Poznanski wirklich ausmacht, ist ... Ursula Poznanski.


6. Lesen bzw. haben Sie die Bücher Ihres/Ihrer Kollegen/Kollegin eigentlich gelesen?

UP: Ja, fast alle. Ich habe auch schon das gelesen, das erst im nächsten Jahr erscheint und kann nur sagen: Freut euch drauf. Ist wirklich ein tolles Buch.

AS: Ja.


7. Anfang des Herbsts ist auch Ihr Jugendbuch "Layers" erschienen. Arbeiten Sie parallel?


UP: Normalerweise nicht, aber „Fremd“ habe ich tatsächlich parallel zum jeweiligen Solo-Projekt geschrieben, an dem ich gerade gearbeitet habe, anders wäre es nicht gegangen. So wird das auch bei unserem nächsten Gemeinschaftswerk sein.

7. Bald erscheint auch Ihr Thriller "Die Flut". Arbeiten Sie parallel?




AS: Ich versuche, die Notwendigkeit des parallelen Schreibens zu vermeiden, aber Theorie und Praxis driften dann doch schon mal etwas auseinander. Ja, es kommt vor, dass ich temporär auch parallel schreibe. Aber wenig.


8. Möchten Sie Ihrem/Ihrer Kollegen/Kollegin noch etwas abschließend sagen?

UP: Hm. Möchte ich? Ja, doch.
Lieber Arno. Eine Ordination hat mitnichten nur was mit Kirche zu tun, man kann sehr wohl auch eine Arztpraxis so nennen. Daran solltest du denken, falls du jemals in Österreich Zahnschmerzen bekommst. Primare haben nichts mit Primaten zu tun. Und manchmal werden Erdbeeren in Wien Ananas genannt. Ja, tatsächlich. So ist das.

Und - nichts zu danken, es ist mir immer wieder eine Freude, deinen Horizont zu erweitern.


AS: Ja:

Ursula, bist du so lieb und bringst mir bitte ein Bier von der Theke mit? Danke!




Vielen herzlichen Dank an euch beide für eure Mühe und die super Antworten! Ich glaube, ihr habt meine Leser und mich nicht nur einmal zum Schmunzeln gebracht! ;-)



Und jetzt - wie immer: Der Platz für Kommentare, Anmerkungen, etc. :D



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Kommentare: 1
  • #1

    Ascari (Dienstag, 03 November 2015 10:47)

    Hey :)

    Ich hatte das Vergnügen, Ursula und Arno zusammen bei einer Lesung zu erleben, wo sie ihr Buch quasi als Vorabpremiere vorgestellt haben :). Das war wirklich toll, vor allem die Stelle, als sie auch aus ihrem E-Mail-Verkehr vorgelesen haben. Ich hab auch bei mir im Blog darüber berichtet, es war quasi mein Auftakt für drei Tage FBM :).

    Liebe Grüße
    Ascari