Konecny, Jaromir

Tatar mit Veilchen

Verlag Voland & Quist

192 S., broschiert

15,90€

 

 

Alles beginnt mit unverdauten Zombies auf einer tschechischen Dorftoilette. Hier sitzt Pepa, der Alltagsphilosoph, die intellektuelle Sonnenblume im Rammstein-T-Shirt. Er kommt aus einer Welt
zwischen Fernet Branca, nackten tschechischen Brüsten und verklärter deutsch-tschechischer Vergangenheit. Dann scheitert „Der Große Kanaldeckelraub“, sein Ticket in ein Leben in Wohlstand und Liebe. Pepa muss die Flucht aus seinem wunderbar verantwortungslosen Leben ergreifen: Er fährt nach München, im Gepäck den SS-Ausweis seines Großvaters als neues Ticket in die neue Welt. Aber in München angekommen merkt er schnell, dass das nicht so einfach wird wie gedacht. Dort stellen sich ihm die großen bohrenden Fragen der Gegenwart: Haben die blöden Deutschen genauso wenig aus der Vergangenheit gelernt wie seine blöden tschechischen Vorfahren? Wie soll er seine Traumfrau angemessen beeindrucken? Und wie viele Probleme kann ein Steak „Tatar“ wirklich lösen?

 

Eines seiner nicht ganz aktuellen Werken, 2011 erschienen - und vielleicht dennoch eines seiner besten. Jaromir Konecny legt mit seinem Roman "Tatar mit Veilchen" mal wieder eine poetische Höchstleistung hin. Mit Witz, Charme, Ironie - und versauten Wortspielen, wie typisch für den Tschechen.

In seinem Roman lässt er Pepa, den Alltagsphilosophen, raus aus seinem kleinen, tschechischen Dorf - auf der Suche nach dem Glück, Arbeit und vor allem Geld - und kommt nach München. Klar, dass dort die Uhren anders ticken und Pepa sich dort erst einmal einfinden und vor allem einen Job finden muss. Beginnend zu Hause, bei seiner typisch tschechischen Oma (mein Gott, jetzt fange sogar ich schon mit Alliterationen an! ^^) und seinen mehr oder weniger versauten Freunden, begibt sich Pepa, ein einfach liebenswerter Charakter, auf große Reise nach München. Sowohl während des Trips, als auch vor Ort lernt er dabei viel Neues kennen und schätzen. Und muss sich erst einmal an die neune Gepflogenheiten gewöhnen - haben die doch in München das Klo im Badezimmer, so etwas aber auch! ;-)

Doch irgendwann ist es soweit und Pepa findet seinen Traumjob - als Au-pair-Mädchen. Doch er lernt nicht nur seinen Job, sondern auch seine neue Familie und vor allem den Opa mit Tourette-Syndrom (wie passend für einen Autor, der gerne mal mit... ein paar unanständigeren Worten spielt, und sich so wunderbar witzige Neologismen überlegen darf ;-)) kennen und schätzen.

Pepa selbst, ein Alltagsphilosoph und schräger sowie liebenswerter Charakter, trifft überall auf die unterschiedlichsten Personen. Auch hier zeigt Konecny wieder einmal wie er sich in verschiedene und besondere Charaktere reindenken und -leben kann - einfach klasse!

Der Scheibstil des Autors ist wie immer angenehm leicht, locker und wunderbar schnell zu lesen. Amüsant und das ein oder andere Mal ein kleines bisschen unter der Gürtellinie - eben so, wie man Jaromir Konecnys Bücher kennt.

 

Zusätzlich zum Buch erhält man auch eine CD, auf der Konecny in seinem typischen und unverwechselbaren Akzent das ein oder andere Kapitel des Romans liest - da sollte man definitv mal rein hören ;-)

 

Fazit: Ein wunderbar emotionaler, berührender und amüsanter Roman - vielleicht sogar einer seiner besten!

 

10 von 10 Punkte

 

Danke an den Verlag Voland & Quist!

 

 

 

 

 

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