Poznanski, Ursula

AQUILA
Loewe Verlag

432 S., broschiert

16,95 €

 

 

Ohne Erinnerung an die letzten zwei Tage streift die Studentin Nika durch Siena. Sie vermisst ihr Handy, ihre Schlüssel und ihren Pass. Mitbewohnerin Jennifer ist ebenfalls verschwunden. Dafür steckt in Nikas Hosentasche ein Zettel mit mysteriösen Botschaften und Anweisungen.
Das Blut ist nicht deines.
Du weißt, wo das Wasser am dunkelsten ist.
Halte dich fern von Adler und Einhorn ...
Welchen Sinn soll das ergeben? Und was, zum Teufel, ist geschehen zwischen Samstagabend und Dienstagmorgen?

 

Ein neuer Poznanski? Yes!
Aber was ist das für ein Cover? Hätte ich es so in einer Buchhandlung gesehen, wäre ich erst einmal daran vorbeigelaufen. Es macht der Eindruck eines 0815-Jugendbuch/Kinderbuch-Covers - und nicht den eines neuen Poznanskis. Gut gefallen haben mir allerdings die Schriftgestaltung mit dem AQUILA-Schriftzug und den 17 "Strichen", stellvertretend für die 17 Contrada Sienas.

Apropos Siena: Dort spielt die Geschichte um Nika und ihre Kolleginnen. Siena, eine prachtvolle Stadt in der Toskana, Italien. Eine Stadt, die vielleicht die schönste Italiens ist - zumindest eine, die vielfältig, bunt und atemberaubend ist. Damit bietet sie sich als Schauplatz für ein Buch natürlich optimal an. Und gleichzeitig ist es schwierig, sie so darzustellen, wie sie ist. Doch wenn ich das jemandem zutraue, dann Ursula Poznanski - als Fan der ersten Stunde. Da habe nicht nur ich mich verzockt, sondern die Autorin sich auch selbst. Das Buch spielt in Siena? Abgesehen davon, dass der Name, ein paar Gebäude und die Contrada erwähnt wurden, hätte die Geschichte auch in jedem anderen Kuhdorf spielen können. Der Flair, die Atmosphäre dieser besonderen Stadt - nicht vorhanden. Wenn man Siena kennt, wird man enttäuscht sein; wenn man Siena nicht kennt, wird man keine Bilder von der Stadt in den Kopf bekommen. Die Contrada und Gebäude hat Ursula Poznanski dankbar mitgenommen, allerdings nicht verwertet.
Und damit gleich zum nächsten Problem: Alle Poznanski-Jugendthriller hatten einen Aufhänger, ein Thema, um das die Geschichte angelegt wurde. In Erebos ein Computerspiel, in Saeculum Rollenspiele, in Layers Virtuelle Realität und in Elanus Drohnen. Wer glaubt, hier einen solchen "Aufhänger" zu finden, wird enttäuscht sein. Meine Vermutung, dass dies Siena sein könnte, hat sich eben nicht bestätigt. Somit steht am Ende eine Geschichte, die von jedem Selfpublisher-Autor hätte stammen können in einer Stadt, die man nicht wiedererkennt.

Versteht mich nicht falsch: Die Story um Nika und Co. ist gut. In Ordnung. Ein Jugendthriller eben. Spannend und nett geschrieben. Schön für Jugendliche, um ein bisschen mit den Protagonisten zu kombinieren. Dazu sympathsiche Charaktere bzw. welche, die einem gleich suspekt sind und diese Rolle super einnehmen. Aber es fehlt eben etwas: Der Poznanski-Effekt - der Aufhänger, das Thema und schlussendlich die überraschende Wende. Die ist zwar in gewisser Weise auch da, allerdings sehr netagiv überraschend. Die Story wird abstrus und dann auch noch vorhersehbar. Also ganz unytpisch für Ursula Poznanski. Leider hatte die Autorin in ihrem letzten Buch, dem Erwachsenenthriller SCHATTEN, ähnliche Probleme: Ein fehlender Aufbau, eine 0815-Geschichte, die von jedem hätte stammen können.

Daher hat mich AQUILA enttäuscht. Ich hatte recht hohe Erwartungen, zumindest wollte ich einen Poznanski lesen!
Dass dann auch noch am Ende ein letztes Kapitel auf Teufel komm raus geschrieben werden musste, um einen Titel für das Buch zu finden, war die Krönung. (Wer es liest, wird wissen, was ich meine.)

 

Fazit:
Schade, aber das war mit großem Abstand das schwächste Buch der Autorin seit langem. Ein fehlender Aufbau, kein Thema, um das die Geschichte konzipiert wurde, ein sehr konstruierter Story-Verlauf und ein wenig überraschendes Ende. Ursula Poznanski - bitte, bitte, bitte: Schreib' nochmal ein Buch wie EREBOS!

 

5 von 10 Punkte

 

 

 

 

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0