Poznanski/Strobel

Fremd

Rowohlt-Wunderlich

400 S., broschiert

16,99 €



Stell dir vor, du bist allein zu Haus. Plötzlich steht ein Mann vor dir. Er behauptet, dein Lebensgefährte zu sein. Aber du hast keine Ahnung, wer er ist. Und nichts in deinem Zuhause deutet darauf hin, dass jemand bei dir wohnt. Er redet auf dich ein, dass du doch bitte zur Vernunft kommen sollst. Du hast Angst. Und du verspürst diesen unwiderstehlichen Drang, dich zu wehren. Ein Messer zu nehmen. Bist du verrückt geworden?
Stell dir vor, du kommst nach Hause, und deine Frau erkennt dich nicht. Sie hält dich für einen Einbrecher. Schlimmer noch, für einen Vergewaltiger. Dabei willst du sie doch nur beschützen. Aber sie wehrt sich, sie verbarrikadiert sich. Behauptet, dich niemals zuvor gesehen zu haben. Sie hält dich offensichtlich für verrückt. Bist du es womöglich?
Eine Frau. Ein Mann. Je mehr sie die Situation zu verstehen versuchen, desto verwirrender wird sie. Bald müssen sie erkennen, dass sie in Gefahr sind. In tödlicher Gefahr. Und es gibt nur eine Rettung: Sie müssen einander vertrauen...


Ach, ist das wunderbar. Ich weiß jetzt schon (dank dem Wunderlich-Verlag konnte ich dieses Buch vorab des ET schon lesen; diese Rezi entstand am 24.10.2015), dass dieses Buch die Geister spalten wird. Und ich freue mich schon auf die Meinungen anderer. Denn ich glaube, dass die krasse inhaltliche Wendung, die das Buch plötzlich nimmt und damit ein Thema aufgreift, mit dem niemand gerechnet hätte, viele ungläubig den Kopf schütteln und sagen lässt: "Wieso geht es denn darum und nicht bloß um das, was im Klappentext steht?". Die Antwort: Weil. Weil jeder Autor - in diesem Fall beide ;-) - das Recht darauf haben, krasse und nicht immer auf den ersten Blick passende (im Endeffekt aber doch passend) Wendungen hat.

Zum Inhalt möchte ich gar nicht mehr viel sagen: Eine Frau, die ihren Mann nicht mehr erkennt. Ein Mann, der deshalb immer verzweifelter wird. Und plötzlich wird daraus ein gefährliches, tödliches "Spiel", das dann eben eine spezielle Wende nimmt.


Mir haben die beiden Protagonisten unglaublich gut gefallen. Man merkt einfach, dass sie vom jeweiligen Autor bis ins kleinste Detail ausgearbeitet wurden und deshalb so authentisch handeln, wie sie handeln.

Gefühle und Emotionen kommen an den richtigen Stellen im richtigen Maß rüber. Entwicklungen und Tiefe der Charaktere sind absolut getimet.


Der Schreib- und Erzählstil ist perfekt. Arno Strobel lässt die eine Person, Ursula Poznanski die andere Person erzählen. Und das im Wechsel von Kapitel zu Kapitel.

Mal greift Erik das auf, was Joanna zuvor gesagt hat und führt diese Gedanken weiter. Mal passiert auch ein Schnitt und Joanna ist im Haus und der Leser bekommt die Ereignisse dort mit, um dann im nächsten Kapitel Erik bei der Arbeit zu beobachten.


Auch der Spannungsbogen passt perfekt. Spannender Einstieg, psychologisch wertvoller Mittelteil, dramatischer Schluss.

Und dann halt das mehr oder weniger offene Ende - es wird einen zweiten Teil geben und wir dürfen gespannt sein, wie dieser aussieht. Ob wir wieder etwas von Erik und Joanna im Wechsel lesen. Oder ob es um zwei andere, neue Protagonisten geht, denen etwas ähnliches passier. Alles ist möglich - ich freue mich drauf.


Fazit: Perfekter Psychothriller. Punkt. Aus. Ende. :D



10 von 10 Punkte

 

Danke an Rowohlt-Wunderlich!

 

 P.S.: Wer noch nicht genug hat: Hier finde ihr noch ein Interview mit den beiden Autoren!!


 

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