Rathgeb, Eberhard

Cooper

Carl Hanser Verlag

144 S., gebunden

17,00 €

 

 

Es ist ein Tag wie jeder andere. Eine junge Familie fährt in das neue kleine Wochenendhaus auf dem Land. Doch wer ist dieser böse, abweisende Junge an der einsamen Tankstelle? Was geschieht der Mutter, Lisa, als sie plötzlich den schweren schwarzen Schatten im Rücken spürt, allein im Haus? Was wird aus ihrem Mann Jakob und den beiden Töchtern, als die helle, freundliche Welt auf einmal ins Schreckliche kippt? Der schlimmste Angriff des Schicksals steht ihnen noch bevor. Mit sparsamsten Mitteln und größter Intensität erzählt Rathgeb von der tiefen Unsicherheit, die in jedem Leben ist und auf die Angst nicht die einzige Antwort sein muss. Wenn Lisa weiterleben will, muss sie eine andere finden.

 

Ein wirklich schwieriges Buch mit schwierigem Stil...

Die Geschichte ist in 4 Teile/Kapitel unterteilt (was auch nicht sonderlich schwer bei knapen 140 Seiten ist ^^).

Der Stil ist erst einmal gewöhnungsbedürftig. Lange Sätze (mal fast über eine Seite) duellieren sich mit kurzen und knappen Sätzen. Wörtliche Reden gibt es so nicht, sie sind in den Text ohne Anführungszeichen eingebaut.

Die Geschichte beginnt zunächst einmal recht simpel - eine Familie möchte auf's Land zu einem Ferienhaus fahren. Währenddessen passieren dann aber die unterschiedlichsten Dinge... die Story nimmt eienn düsteren, geheimnisvollen und schließlich unheilvollen Verlauf. Es gibt drei, vier Szenen, in denen sich das Unheil, Schicksal zusammenbauscht und über die Familie hereinbricht. Das wird spannend geschilder aber nur bis zu einem gewissen Punkt  - und das fand ich genial. Man liest beispielsweise nicht: "XYZ wird ermordet". Man liest eher "XYZ spürte einen Schatten näher kommen, hörte den Atmen, das kühle Berühren eines Gegenstandes im Nacken." Und dann ist Schluss. Aber der Leser weiß, was passieren wird, es gibt an diesen Stellen keinerlei Interpretationsspielraum. Es wird zwar nicht konkret gesagt, aber so detailliert angedeutet, dass klar ist worauf alles hinausläuft. Und dann ist mal wieder einer der vier Teile/Kapitel zu Ende...

Im Prinzip könnte man das Buch auch nach dem 2. Kapitel beenden. Die Geschichte wäre erzählt. Problem nur: Man wüsste  nicht, warum das Buch so heitß wie es heißt: Cooper. Dass Cooper eine Person sein muss, ist recht schnell klar. Und es gibt ja auch dann noch 2 weitere Kapitel... Mit Cooper wird neben Lisa, der Mutter (die da ist, um dem unheilvollen, negativen, ängstlichen Part Platz zu geben), Jakob, dem Vater (der zunächst rational dasteht, aber immer mehr in die Fänge de Unheils und Schicksals hineingezogen wird) und den beiden kleinen Kindern (die einen unschuldigen neugierigen Part übernehmen) eine weitere Person eingeführt. Und diese Person gibt der Geschichte mit ihren nun neu eingeführten Gedanken, Ideen, psychologischen Aspekten eine neue Wendung, die - um in der Form des Dramas zu sprechen - schlussendlich zur Katastrophe führt. Und auch hier wird wieder nur angedeutet, aber nicht konkret beschrieben. Und doch weiß der Leser wie das Buch endet und hat keinen Interpretationsspielraum.

Aprops Interpretation: Ich glaube, dieses Buch könnte zu einer klassischen Schullektüre werden. Denn es hat so viele Möglichkeiten, Gedanken und Ideen, über die man während des Lesens einfach nachdenken muss. Zudem gibt es so viele Möglichkeiten der Interpretation: Jede Figur in diesem Roman, vom Jungen an der Tankstelle, dem alten Mann im Shop, der Familie bis hin zu Cooper steht für etwas, hat eine Funktion. Diese will ich aber nicht verraten, das muss jeder selbst beim Lesen herausfinden.

 

Fazit: Kein einfaches, aber unglaublich faszinierendes Buch. Die düstere Geschichte symbolisiert viel mehr, als man auf den ersten Blick sieht. Es gibt unzählige Interpretationsmöglichkeiten und Dinge, worüber man beim Lesen nachdenken kann. Am meisten hat mich aber der Stil fasziniert: So beschreibend, genau und schließlich abrupt endend, ohne das Finale wirklich zu sagen - aber jeder weiß, was es ist.

 

 

10 von 10 Punkte

 

Danke an den Hanser Verlag!

 

 

 

 

 

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