Strandberg, Mats

Die Überfahrt

Fischer TOR

512 S., broschiert

14,99 €

 

 

Die Passagiere an Bord der schwedischen Ostsee-Fähre Baltic Charisma wollen vor allem eins: sich amüsieren, und zwar um jeden Preis. Ob sie mit der besten Freundin tanzen gehen oder Junggesellenabschiede feiern, ob sie nach der Liebe ihres Lebens suchen oder vor den Dämonen des Alltags fliehen – die Nacht ist lang, und der Alkohol fließt reichlich.
Fast bleiben dabei die beiden dunklen Gestalten unbemerkt, die sich übers Autodeck an Bord schleichen: eine Mutter und ihr Kind. Mit ihnen betritt ein uraltes Grauen das riesige Schiff, und es wird zur tödlichen Falle. Die Angst geht um auf der Baltic Charisma ...

 

Der Verlag wirbt nach dem Klappentext für ein Buch für Leser von Stephen King, Sebastian Fitzek oder Justin Cronin. Auch das Cover ziert der Slogan "Der schwedische Stephen King". Wer für dieses Marketing verantwortlich ist, dem gehört das Jahresgehalt gestrichen. Es ist eine absolute Frechheit, Bestseller-Autoren wie Fitzek oder King diesem Roman zuzuordnen - denn "Die Überfahrt" hat so überhaupt gar nichts, was man mit diesen beiden Autoren verbinden kann, gar nichts!
Das nur mal als kleine Randnotiz...
Dennoch ist das Buch nicht schlecht, allerdings ausbaufähig. Ich hoffe auf einen zweiten Teil, das Ende ist zumindest so offen, dass es weitergehen könnte. Denn dann hat die Story weiterhin Potential, das man noch mehr ausnützen könnte.
Der Roman hat vor allem drei Schwächen: Die erste Hälfte ist geprägt von unnötigem Sex. Der Mittelteil wird in die Länge gezogen. Und schon nach 20 Seiten ist klar, welches Grauen sich auf der Fähre befindet und wie das Buch enden wird. Tja, eine Wendung gab es dann auch nicht mehr.

All das heißt aber nicht, dass das Buch schlecht ist! Denn die Story macht auch vieles richtig. Ich hätte mir beispielsweise diesen Horror-Roman nicht gekauft, wenn ich gewusst hätte, um welches "Grauen" es geht, weil das einfach nicht mein Genre ist. Nach dem Lesen muss ich sagen, dass es mir aber gut gefallen hat, da die Umsetzung so anders, so modern und irgendwie auch genreübergreifend ist. Auch die Charaktere, die von vielen kritisiert wurden, finde ich gut angelegt: Klar, sie sind ein bisschen 0815 und vor allem sehr sehr klischeebelastet - umso amüsanter macht das aber die Geschichte ;-)
Und der Schreibstil kann größtenteils auch überzeugen - nur der Mittelteil ist etwas langatmig. Ansonsten ist der Roman schnell zu lesen, nicht die große Literatur, aber unterhaltsam, wenn man auf diese Art von Horror steht und auch ein paar Splatter-Szenen einem nichts ausmachen.

 

Fazit:

Sehr ungewöhnlicher Horror-Roman mit einem Genreübergreifendem Grauen, das sich schnell erahnen lässt, jedoch eine unterhaltsame Geschichte bereit hält.

 

 

 

 

8 von 10 Punkte

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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