Walker, Wendy

Dark Memories: Nichts ist je vergessen

Fischer Verlage

384 S., broschiert

14,99 €

 

 

Fairview, eine beschauliche Kleinstadt in Connecticut. Die 16-jährige Jenny Kramer wird Opfer einer brutalen Attacke und kommt schwer traumatisiert ins Krankenhaus. Dort wird ihr auf Wunsch ihrer Eltern ein Medikament verabreicht, das ihr helfen soll. Ein Medikament, das jegliche Erinnerung an den schrecklichen Vorfall auslöscht.

Danach hat Jenny keine Bilder mehr für das, was passiert ist. Da ist nur noch Schwärze. Sie bemüht sich weiterzuleben wie zuvor, beinahe so, als ob nichts geschehen wäre, während ihre Mutter Charlotte krampfhaft versucht, so etwas wie Normalität wiederherzustellen, und ihr Vater Tom wie besessen ist von dem Gedanken, den Täter, der seiner Tochter das angetan hat, zu überführen.

Doch das Nicht-Erinnern-Können wird für Jenny mehr und mehr zu einem Albtraum. Denn ihr Körper weiß noch immer, was ihm angetan wurde. Gemeinsam mit dem Psychiater Alan Forrester, der auf Fälle wie Jenny spezialisiert ist, versucht sie, Stück für Stück Licht in das Dunkel jener Nacht zu bringen, die Chronologie der Ereignisse wiederherzustellen. Aber kann sie denen, die sie dabei unterstützen wollen, vertrauen? Wie manipulierbar ist Erinnerung? Und helfen die Erinnerungen, die langsam zu ihr zurückkommen, wirklich, den Schuldigen zu finden?

 

"Der Thriller des Jahres. Alles andere können Sie vergessen". Ein kleiner, aber deutlich sichtbarer, leuchtend gelber Aufkleber ziert das Cover des...Romans? Thrillers? Was denn nun? Ein Buch - zwei Genre? Klar, Roman kann die Bezeichnung für alle fiktiven Werke sein; dennoch wird dieses Wort meistens dann verwendet, wenn sich das Buch in einer alltäglichen Situation wiederfindet. Was ich sagen will: Roman ist nicht gleich Thriller. Und Thriller ist nicht gleich Roman. So oder so - beides trifft eh nicht auf das Buch zu. Ich würde es eher als Drama einordnen. Als Drama, welches auf den ersten Blick und auf den ersten Seiten ein Thriller zu sein scheint. Ein Drama, welches dann auch endlich auf den letzten paar Seiten ein Thriller ist! Aber vor allem ein Drama, welches im Mittelteil ausführlich darlegt, dass es definitiv KEIN Thriller des Jahres ist.

Denn in jenem Mittelteil möchte Psychiater Alan nicht Jenny behandeln, Erinnerungen zurückrufen und den Fall aufklären, nein nein, das wäre ja das, was der Klappentext verspricht (so was absurdes aber auch...). Nein, im Mittelteil wird höchst genau analysiert, warum Jenny's Mutter, Charlotte, mit dem und dem eine Affäre hat, welche sexuellen Leidenschaften und Liebschaften ihr wichtig sind, dass Jenny's Dad die und die Sex-Affäre beobachtet und überhaupt, dass Jenny's Eltern ihrem Sex-Leben hinterherhinken. Und das geht mindestens 100 Seiten so. Nun gut, ein Drittel des Buches also. Und das... ist so was von unnötig und überzogen und was weiß ich. Das spielt zu Null Komma Null Prozent eine Rolle in der Geschichte. Prinzipiell könnte man ja Jenny helfen, aber nein....

So, damit noch kurz zu ein paar positiven Dingen: Anfang und Ende waren dagegen echt gut, auch die Auflösung. Die retten dem Buch den Allerwertesten...

Schreibstil dagegen sieht erst einmal etwas speziell aus, doch man kann sich im Laufe der Geschichte damit anfreunden, ebenso mit der ungewöhnlichen Erzählperspektive, die aber auch gleichzeitig etwas Neues darstellt.

 

Fazit: "Der Thriller des Jahres. Alles andere können Sie vergessen!". Hätten lieber mal die Personen, die für den Aufkleber zuständig waren, vergessen, eben diesen aufzukleben... Naaaaaja - ein nicht wirklich überzeugendes Buch, das sich gerade noch so durch den Schluss und die Auflösung den Kopf aus der Schlinge ziehen konnte.

 

6 von 10 Punkte

 

 

 

 

 

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