Winner, Jonas

Die Zelle

Knaur

336 S., TB

9,99 €

 

 

Sammy ist elf und gerade mit seinen Eltern nach Berlin gezogen. Im Luftschutzbunker der alten Jugendstilvilla, die die Familie im Grunewald bezogen hat, macht er eine verstörende Entdeckung. Ein vollkommen verängstigtes Mädchen, nicht viel älter als er, ist dort unten in einer Zelle eingesperrt, die man mit Gummifolie ausgekleidet hat. Nur durch einen winzigen Schlitz hindurch kann er sie sehen. Am nächsten Tag ist die Zelle leer, das Mädchen verschwunden. Und für Sammy kann es dafür eigentlich nur einen Grund geben: seinen Vater.

 

Ein Wahnsinnsbuch, indem der Wahnsinn selbst eine entscheidende Rolle spielt...

Jonas Winner spinnt eine Geschichte zusammen, die realistischer und erschreckender nicht sein könnte. Dabei versteht er es, Erzählstil, Handlung und Spannung geschickt zu kombinieren. Erzählt wird aus der Sicht des kleinen Sammy. Im Prolog ist er der erwachsene Sam, der in der folgenden Geschichte eben seine Kindheitsgeschichte erzählt.

Die Story schlägt sofort ein, man ist gefesselt und gebannt und möchte einfach nur mit Sammy mitfiebern. Neben der eigentlich Handlung - Sammy und die Zelle - erfahren wir noch viel über seine Familie und die Geschichter der Familie. Auch gibt es im weiteren Verlauf noch die ein oder andere ausschlaggebende Person, die ich an der Stelle aber noch nicht verraten möchte.

Der Spannungsbogen, der direkt im Prolog startet, fällt unterwegs an manchen Stellen leider etwas, was daran liegt, dass manchmal etwas zu viel "außenrum" erzählt wird - doch gerade dann, wenn es so eine Situation gab, folgt entweder ein Cliffhanger oder ein Kapitel, das den Spannungsbogen wieder aufgreift.

Der Erzählstil ist immer mal wieder recht einfach: Doch das passt super, denn immerhin berichtet hier der elfjährige Sammy - eine große Rhetorik wäre hier fehl am Platz. Dennoch fesselt Sammy uns Leser mit seiner Charakterisierung und wir fühlen sofort mit ihm - schließen ihn ins Herz.

Gerade das Ende hat dann einen Knalleffekt, den ich nicht spoilern möchte. Nur so viel: man überlegt zweimal, was man da gerade gelesen hat. Und doch ist die Auflösung so einfach, wie genial - und gleichzeitig gruselig, unheimlich und beklemmend.

Jonas Winner hat mit "Die Zelle" eine Thriller erschaffen, der anfangs spannend, zwischendurch unscheinbar und gegen Ende psychologisch hoch raffiniert aufgezogen ist.

 

Fazit: Ein wirklich spannendes Buch, bei welchem gerade das Ende überzeugt!

 

 

9 von 10 Punkte

 

Danke an Jonas Winner für das Leseexemplar!

 

 

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0